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Wie es wirklich ist…wenn der neue Partner das Kind nicht adoptieren kann

Wenn der neue Partner zum Ersatzpapa für das Kind wird und es sogar adoptieren möchte, könnte alles so schön sein. Wenn es da nicht enorme Hürden geben würde. Heute berichtet unsere Gastautorin von den Steinen, die ihnen dabei in den Weg gelegt werden. 

Als mein Mann und ich uns kennen lernten, war mein Kind bereits 13 Monate alt. Der leibliche Vater hatte keinerlei Interesse am Kind, hatte es auch noch nie gesehen oder sich erkundigt. Ich habe meinem Mann schon in der Kennenlernphase gesagt, dass ich in erster Linie einen Partner für mich suche, keinen Vater für mein Kind. Natürlich gab es mich nur mit Kind, aber was sich dort ergeben würde oder auch nicht, sollte die Zeit zeigen.

Als mein Mann und ich nach einigen Wochen bemerkten, dass es ernst wurde, lernte er mein Kind kennen und die beiden waren von Tag eins ein Herz und eine Seele. Mein Kind hat sowieso eine Affinität zu männlichen Bezugspersonen, wodurch ich meist abgeschrieben war, sobald mein Mann durch die Tür kam. Der leibliche Vater hatte auch weiterhin keinen Kontakt, auch die Vaterschaft wurde von ihm niemals anerkannt. Er wurde zwar vom Jugendamt, wo ich eine Beistandschaft zur Vaterschaftsfeststellung einrichten ließ, gesucht, aber gefunden wurde er nie.

Erst viele Jahre später habe ich von einigen Festnahmen erfahren, doch jedes Mal ließ man ihn wieder laufen, sodass er weder für das Jugendamt noch für irgendjemanden anders greifbar war.

Mitte 2016 hatte er mich ganz plötzlich über Facebook kontaktiert, schrieb, wie leid es ihm täte und dass er jetzt auf jeden Fall die Vaterschaft anerkennen würde, da er nun Post vom Amt bekommen hatte. Gleich am nächsten Tag wollte er sich darum kümmern. Ich, zu geschockt, um darauf zu reagieren – immerhin hatte ich über 2 Jahre nichts mehr von ihm gehört – schrieb nicht zurück und am nächsten Morgen war ich auch schon wieder geblockt.

Natürlich setzte ich mich gleich mit dem Jugendamt in Verbindung, die mir sagten, dass ich erst einmal ruhig bleiben und abwarten sollte, denn das Jugendamt hatte ihn nun endlich greifen können. Er war also gefunden worden. Doch schon ein paar Tage später bekam ich Post vom zuständigen Sachbearbeiter, der mir mitteilte, dass der leibliche Vater sich weigere, die Vaterschaft anzuerkennen und das ganze nun vor Gericht gehen sollte. Er schickte mir sämtliche Anträge zu, denn zu dieser Zeit habe ich noch studiert und kein eigenes Einkommen gehabt und so hatte ich Anspruch auf Gerichtskostenhilfe.

Ich füllte alles aus, sendete es zeitnah mit allen gebrauchten Unterlagen zurück und bekam vom Jugendamt die Antwort, dass der leibliche Vater unter der eben noch genannten Adresse nun nicht mehr aufzufinden war.

Wenn ich ehrlich bin, hat es mich innerlich aufatmen lassen, denn ich wollte einfach keinen Kontakt zu ihm und sei es nur um des Kindeswillen. So wie er mir aber auch schon während der Schwangerschaft mehrmals unmissverständlich klar gemacht hatte, wollte er das Kind sowieso nicht und hatte deswegen auch kein Interesse.
Die nächsten Monate hörten wir dann auch nichts mehr vom Jugendamt, sodass ich mich damit auch nicht weiter auseinander setzte.

An Silvester 2016/2017 saßen mein Mann und ich auf dem Sofa und schauten aus dem Fenster, als er sich zu mir umdrehte und sagte, dass er mich irgendwann heiraten möchte. Dann machte er eine kleine Pause und fügte: und ich möchte das Kind adoptieren! hinzu. Für mich waren diese Worte von großer Bedeutung, denn sie zeigten mir, dass er nicht nur mich liebte, sondern auch mein Kind nicht ausschloss und wie sein eigenes behandelte.

Im Jahr 2017 zogen wir dann zu meinem Mann. Das hieß für uns, ein neues Bundesland, aber auch ein neuer Landkreis und somit ein neues Jugendamt, welches dann ab sofort für uns zuständig war.

Schon vor unserem Umzug habe ich mich mit dem Jugendamt der neuen Stadt in Verbindung gesetzt, habe ihnen gesagt, was ich weiß und auch bei unserem bis dato zuständigem Jugendamt den Umzug angekündigt, damit die Akte übersendet werden konnte. Es klappte auch alles reibungslos.

Schon damals fragte ich nach, wie das denn mit einer Adoption laufen würde und bekam als Antwort nur ein: „Das weiß ich nicht, da müsste ich mich dann nochmal belesen!“
Super, dachte ich. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich aber noch nicht, was auf uns zukommen sollte.

Hochzeit, aber keine Adoption

2018 heirateten wir dann schließlich und mein Kind nahm ebenfalls den Namen meines Mannes an. Das war uns von Anfang an sehr wichtig gewesen. Zu diesem Zeitpunkt war mein Kind 4 Jahre alt und sah meinen Mann als Papa, wusste aber nicht von seinem leiblichen Vater. Wir hatten entschieden, dass wir mit der Wahrheit über die Herkunft warten wollten, bis es etwas älter war. Trotzdem trug es den neuen Nachnamen voller Stolz durch die Gegend und erzählte jedem davon. Ich weiß gar nicht, wie viele Leute zu diesem Zeitpunkt von unserem Nachnamen erfuhren.

Gastautorin 2

Mit unserer Anwältin hatten wir kurz vor der Hochzeit mal über die Adoption gesprochen, doch sie sagte uns, dass wir erst einmal etwas Zeit vergehen lassen sollten, damit es nicht so aussah, als ob wir nur wegen der Adoption geheiratet hätten, was natürlich nicht der Fall war.

Zu dieser Zeit musste ich öfter zum Jugendamt, zum Einen, weil ich natürlich die Namenänderung mitteilen musste und zum Anderen, weil ich bis zur Hochzeit monatlich Unterhaltsvorschuss bekommen habe. Als wir also hinfuhren, um die geänderte Geburtsurkunde sowie die Heiratsurkunde vorzulegen, rief mich die Sachbearbeiterin der Beistandschaft in ihr Büro, denn sie hatte mitbekommen, dass ich da war und fragte mich, wie es denn mit der Beistandschaft weiter gehen sollte. Ich war etwas überfordert, denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir gar keine Gedanken mehr darüber gemacht.

Sie legte mir ans Herz, diese zu beenden, denn man hatte den leiblichen Vater ja sowieso nicht gefunden in den letzten Jahren und er würde mit Sicherheit jetzt auch nicht mehr auftauchen. Ich versprach mir das durch den Kopf gehen zu lassen, denn ich wusste nicht, welche Konsequenzen das für mich mit sich bringen konnte. Noch einmal sprachen wir die Adoption an, dieses Mal gemeinsam und sie sagte uns, dass sie davon keine Ahnung hätte, aber da die Vaterschaft ja nie anerkannt worden war und mein Mann dann der einzige bekannte Vater wäre, müsste er dann ja das Geld des Unterhaltsvorschusses zurück zahlen, was ich in den letzten Jahren erhalten hatte.

Das war für uns erst einmal wie ein Schlag ins Gesicht, denn obwohl mein Mann sich immer gekümmert hatte, stand für uns fest, dass er rechtlich erst der Vater mit Unterschrift der Adoptionsurkunde war und nicht rückwirkend. Wir wurden dann weiter geleitet an die Sozialarbeiter, die uns ebenfalls noch einmal bestätigten, dass mein Mann den geleisteten Unterhaltsvorschuss definitiv zurück zahlen müsste, denn das wollte das Jugendamt schließlich wieder haben.

Für uns stand dann fest, das wir uns die Adoption aus dem Kopf schlagen konnten, denn mehrere tausend Euro zurück zu zahlen, sahen wir einfach nicht ein. Weiter bestand das Jugendamt aber auch darauf, dass ich die Beistandschaft beenden sollte, denn sonst müsse man schließlich weiter nach dem leiblichen Vater suchen. Für mich war das ganze sehr emotional und aufwühlend. Ich habe mehrmals mit dem Gedanken gespielt einfach alles hinzuschmeißen.

Mein Mann behielt einen kühlen Kopf und riet mir, mich doch einmal mit unserer Anwältin, die glücklicherweise Familienanwältin war, zusammen zu setzen. Da mein Mann sowieso einen Termin hatte, riefen wir sie an und fragten, ob ich dann auch gleich mitkommen konnte, was auch kein Problem war.

Zur ungefähr gleichen Zeit lernte ich privat die damalige Sachgebietsleiterin des Jugendamtes kennen und erzählte ihr von der geplanten Adoption und sie versprach mir, einmal in die Akte zu sehen. Als sie mir ein paar Tage später schrieb, dass ich die Beistandschaft gar nicht beenden konnte, weil in unserer alten Heimat noch ein Gerichtsverfahren lief, fiel ich aus allen Wolken, denn warum sollte in meiner alten Heimat noch ein Verfahren laufen, wenn wir doch da gar nicht mehr wohnten und diese auch gar nicht mehr zuständig war? Und da reichte es mir. Ich brach von meiner Seite aus die Kommunikation mit dem Jugendamt ab und sprach ab jetzt nur noch mit
unserer Anwältin darüber.

Als wir den Termin dann hatten, war sie erst einmal sehr verwirrt und ließ sich sämtliche Unterlagen geben. Sie sagte uns, dass sie auf jeden Fall Akteneinsicht haben wolle und sich nun mit dem Jugendamt in Verbindung setzen würde.
Das erste Schreiben des Jugendamtes an unsere Anwältin bestätigte auch meine Sicht auf dieses. Dort formulierte man, dass wir dort nie vorstellig geworden waren und ich mich bei Problemen mit der Erziehung und mit meinem Kind gerne jederzeit an das Jugendamt wenden könnte.

Ich war richtig wütend. Weder hatte ich Probleme mit der Erziehung noch mit meinem Kind und ich hatte mir auch sicherlich nicht eingebildet, dass ich dort war. Auch behaarte das Jugendamt weiter darauf, dass mein Mann den bis dato ausgezahlten Unterhaltsvorschuss definitiv zurück zahlen müsste, weil er der einzig greifbare Vater wäre.

Neue Behörde, neuer Rückschlag

Unsere Anwältin wandte sich darauf hin an die nächsthöhere Behörde, die zwar antwortete, dass mein Mann den Unterhaltsvorschuss selbstverständlich nicht zurück zahlen müsste, aber zu einer Adoption könnte man uns auch nichts sagen, dazu müssten wir uns an das Landesjugendamt wenden. Dies tat unsere Anwältin dann auch und die Antwort war auch nicht die, die wir uns erhofft hatten. Man schrieb uns, dass man so eine Situation nie hatte, denn die Vaterschaft war vom leiblichen Vater nach wie vor nicht anerkannt, wie auch, man fand ihn ja nicht. Eine Adoption sei aber trotzdem nicht möglich, denn man bräuchte zwingend das Einverständnis des leiblichen Vaters, denn sonst könnte der später klagen. Erneut hat mich diese Antwort emotional sehr mitgenommen.

Wie kann es sein, dass mein Mann, der die ganzen Jahre für mein Kind gesorgt hat, es als sein eigenes angenommen hat, am Bett saß, wenn es krank war, den ersten Kindergartentag miterlebte, ihm das Fahrradfahren beibrachte und es als „sein Kind“ betitelt, das Kind nicht adoptieren darf, obwohl der leibliche Vater offensichtlich kein Interesse hat, sich weigert die Vaterschaft überhaupt anzuerkennen und überhaupt wie vom Erdboden verschluckt ist?

Ich muss gestehen, dass ich mich da tierisch drüber aufregen könnte. Natürlich kann ich die Bedenken nachvollziehen und es wird sicherlich genug Fälle geben, in denen Väter unbedingt mit einbezogen werden müssen, keine Frage. Aber bei uns gibt es diese Person nicht im Leben. Bis zum heutigen Tage und das Kind ist mittlerweile fast 6 Jahre alt, gab es weder Erkundungen, wie es dem Kind denn ginge noch einen Anruf zum Geburtstag, auch hat der leibliche Vater sein Kind bis heute nicht einmal gesehen.

Als es dann im Jugendamt zur Akteneinsicht kam, war das ganze sehr ernüchternd. In unserer alten Heimat wurde im regelmäßigen Abständen Erkundungen eingeholt über den Kindsvater und hier habe ich auch zum ersten Mal erfahren, wie oft er in den Jahren 2014-2017 verhaftet wurde. Und den Großteil der Zeit war er auch ohne festen Wohnsitz und als Obdachlos gemeldet. Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass er bei irgendwelchen Leuten untergekommen war und sicherlich nie auf der Straße gelebt hat. In der neuen Stadt hatte man schlichtweg einfach versäumt sich weiter mit diesem Fall zu beschäftigen. Auch das angebliche Gerichtsverfahren war natürlich in der alten Heimat beendet worden, aber in der neuen Stadt einfach nicht weiter geführt. Nach und nach kamen die ganzen Versäumnisse des Jugendamtes heraus und ich war einfach nur wütend.

Hoffnung durch ein neues Jugendamt

Anfang 2019 ergab sich für meinen Mann eine neue berufliche Perspektive und so zogen wir erneut um. Wieder einen Bundeslandwechsel, wieder eine neue Stadt, wieder ein neues Jugendamt.

Zaghaft haben wir uns beim Jugendamt gemeldet, unsere Situation erklärt und erneut auf die Adoption angesprochen. Und plötzlich wurden wir ernst genommen. Uns wurde gesagt, dass der Fall zwar schwierig, aber nicht aussichtslos war. Man müsste diesen Fall einfach individuell prüfen, aber die nette Sachbearbeiterin sagte uns, dass sie nicht davon ausginge, dass die Adoption abgelehnt werden würde, nur weil kein leiblicher Vater zu finden war. Sie sprach uns Mut zu und wir vereinbarten einen Termin für die kommende Zeit.

Fazit: Nach wie vor bin ich schockiert darüber, wie schlecht es in dem vorherigen Jugendamt lief. Wie sich niemand wirklich zuständig fühlte und uns von Amt zu Amt schickte. Auch ist sich das Jugendamt bis heute keinerlei Schuld bewusst, jedoch bin ich der Meinung, dass man einfach Ahnung davon haben muss, von dem was man tut, denn ansonsten kann es auch ganz schnell zu so einem durcheinander führen, wie wir es hatten.

Ich bin gespannt, wie es für uns weiter geht und ob mein Mann dann auch endlich irgendwann die Chance bekommt, Rechte zu bekommen.

2 Kommentare zu „Wie es wirklich ist…wenn der neue Partner das Kind nicht adoptieren kann

  1. Das ist echt unfassbar. Und ich glaube, grade heutzutage ist es doch keine Seltenheit, dass ein „neuer“ Papa das Kind adoptiert und der leibliche Vater (respektive Erzeuger) eigentlich nicht existent ist. Ich kenne alleine 2 Familien, wo das so ist.

    Also komisch, dass das Jugendamt (also grade die sollten es doch wissen?!) da keine Ahnung von hat?!

    Ich kann die Wut verstehen und wirklich nur den Kopf schütteln…

    Ich wünsche weiterhin alles Gute und dass es bald klappt!!

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