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Kinderfreie Zeit in Lerches Leben – Was war das nochmal?

Vorab: Wir haben keinen Babysitter. Wir haben keine Großeltern, bei denen die Kinder gerne und lange bleiben und gerade die Kleine ist ein Klammerchen. Bisher haben wir es in den 2 1/2 Jahren ihres Lebens genau einmal geschafft, sie einen ganzen Tag den Großeltern hier vor Ort – meinen Schwiegereltern – anzuvertrauen.

Um die Situation aufzuschlüsseln:

  • Babysitter – zu teuer (ehrlich zu teuer – Lercherich wird als Handwerker nicht reich, ich mit meiner 50%-Wissenschaftsstelle sowieso nicht) und gerade mit Eingewöhnungszeit kaum bezahlbar. Außerdem bräuchte er/sie Stahlnerven: Tochterkind wacht nachts auf und brüllt nach Mama, als ginge die Welt unter. Vielleicht stabilisiert sich unsere Geldlage irgendwann soweit, dass wir uns das leisten können, gegenwärtig sind uns 3 Stunden für 30€ zuzüglich Eintritt/Essen/Whatever einfach zu viel Geld. Zum Vergleich: Unser Wocheneinkauf kostet zwischen 60 und 80€. Das muss man dann schon aufwiegen.
  • Großeltern väterlicherseits – Lercherichs Eltern sind räumlich in der Nähe, durch die sonstige Verwandschaft aber extrem eingebunden. Bisher hatten wir genau einen Abend Schwiegervater als Babysitter hier und das nur mit reichlich Widerstand. Theoretisch können unsere Kids dort mal schlafen – praktisch dürfte das für Tochterkind nicht umsetzbar sein, so selten, wie sie sie sieht. Davon einmal ab machen wir es nicht gerne, weil die Großeltern auf ihren anderen Enkel quasi permanent aufpassen – und das reicht ja auch irgendwann mal. Bisher waren sie beim Umzug einmal tagsüber dort und das hat gut geklappt, gegebenenfalls lässt sich zukünftig darauf aufbauen. Aber wir heben uns das lieber für Notfälle auf.
  • Familie mütterlicherseits – 400 km zu meinen Eltern, 300 zu meinen Großeltern, ähnlich weit zu meinem Bruder, 400 zu meiner Tante – das letzte gemeinsame Date entstand tatsächlich spontan, als Bruder, Tante und wir zu Gast bei den Großeltern waren und sich die ersten beiden bereiterklärt haben, das Babyphone zu hüten. Wir waren pünktlich zu Tochterkinds Aufwachen zurück, Drama musste nicht getestet werden. Kurz: Wir sehen sie einfach sehr selten und wenn wir sie sehen, wollen wir auch Zeit mit ihnen verbringen.
  • Onkel Paul, Freund der Familie – immer für Babysitten bereit, aber nur in den Wintermonaten. Weil er Koch ist, arbeitet er saisonabhängig und in der Saison den einzigen freien Abend der Woche mit Babysitten verbringen? Eher nicht. Da er aber oft zu Besuch kommt, klappt das im Winter immer mal wieder ganz gut. Gemeinsame, romantische laue Sommernächte am See, sind so aber eher nichts.

Wie läuft das also hier mit der Paarzeit?

 

Ersteinmal sind wir sehr spontan. Wenn sich eine Möglichkeit bietet, sind wir weg – das heißt aber auch, dass Dinge mit Planungszeit (Konzerte, für die man Karten besorgen muss, Restaurants, in denen eine Reservierung nötig ist) selten möglich sind.
Außerdem waren wir schon immer eher Stubenhocker. Unsere Abende verbringen wir gerne auf der Couch, zocken zusammen, schauen uns Filme und Serien an, lesen oder reden. Uns genügen wenige Ausflüge im Jahr, das hat sich mit den Kindern nicht geändert.
Dann haben wir einen tollen Freundeskreis, der die Spielrunden zu uns verlegt. Wir haben regelmäßig Leute hier, spielen gemeinsam Karten und tauschen uns aus. Da unsere Wohnung für alle gut erreichbar ist, bietet sich das an.
Wir nutzen darüber hinaus ab und an die Kindergartenzeit, machen spontan einen Tag frei und sind den Vormittag zusammen. Frühstücken, ein Museum besuchen, mal shoppen – das sind alles Dinge, die an Vormittagen ohnehin gut zu erledigen sind. Durch Gleitzeit beziehungsweise Vertrauensarbeitszeit ist das für uns auch nicht sehr schwierig – trotzdem bemühen wir uns, es nicht zu oft werden zu lassen.

Und zuletzt nehmen wir die Kinder zu größeren Aktionen einfach mit. Festivals beispielsweise besuchen wir immer mit den Lütten gemeinsam. Auch Fahrten zu Leuten, die weiter entfernt wohnen, machen wir mit Kindern im Gepäck. Und wenn die Kinder abends im Leiterwagen eingeschlafen sind, konzentrieren wir uns wieder nur auf uns.

Klar, sehr selten ist es möglich, dass wir beide gemeinsam mit unseren Freunden um die Häuser ziehen. Das teilen wir meistens auf – einer hat Ausgang, einer bleibt zu Hause. Bis wir unseren ersten längeren Urlaub ohne Kinder machen können, müssen die vermutlich in der Grundschule sein und wir brauchen Verwandschaft, die die Kinder so lange alleine nimmt.

Und wohl am wichtigsten: Wir stehen im Austausch darüber, was wir brauchen und was nicht. Was uns fehlt, was wir uns mehr wünschen oder was weniger. Wir mussten uns als Paar bisher nicht großartig verbiegen, was die Änderungen mit den Kindern angeht und deshalb nehmen wir da keinen großen Leidensdruck wahr. Außerdem haben wir die Zukunft im Blick und wissen, dass wir irgendwann wieder verdammt viel Zeit haben werden, uns mit uns zu beschäftigen.

Das einzige, was wir vielleicht wirklich vermissen: 1-2x im Jahr gemeinsam tanzen und feiern. In einem Club, auf einem Konzert abends. Aber das gehen wir diesen Winter wieder an, wir haben es uns fest vorgenommen.

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