Allgemein · Erziehung · Väter

Was macht Väter glücklich? – Teil 2 chutriels Mann

Nach Schokominzas Mann kommt heute chutriels Gatte in unserer Reihe „Was macht Väter glücklich?“ mit den ersten Fragen, die wir ihnen gestellt haben, zu Wort. 

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Straßenfest in Lübeck

Allgemeines: Wer bist du?

Wie viele Kinder hast du und wie alt sind sie?
Zwei Jungs, fünf und drei Jahre alt.

Wie alt warst du, als du zum ersten Mal Vater wurdest?
34.

Warst du in Elternzeit und wenn ja, wie lange?
Beim ersten Kind nicht, beim zweiten den ersten Monat und danach nochmal acht Monate.

Wie viele Stunden arbeitest du aktuell in der Woche?
40.

Vergangenes: Wie wurdest du zu dem Vater, der du bist?

Warst du bei den Geburten deiner Kinder dabei? Wie waren sie für dich?
Ich war bei beiden Geburten dabei. Bei der ersten stand aufgrund des Kaiserschnitts und der mit der Frühgeburt verbundenen Komplikationen für mich erst einmal nur chutriel im Mittelpunkt. Ich musste sie ablenken und Hand halten, während die Ärzte ihren Job gemacht haben. Aus diesem Grund war der Gedanke an das Kind, das da gerade auf dem Weg war, nicht besonders präsent. Erst im Nachhinein, als chutriel wegen der anschließenden Komplikationen ans Bett gefesselt war und immer nur sporadisch kurz zu unserem Sohn konnte (so etwa anderthalb Wochen lang), konnte ich als Einziger wirklich längere Zeit mit ihm verbringen, insofern Inkubator und Frühchentemperatur das zugelassen haben. Da ist dann bei mir als erstem die Verbindung zu ihm gewachsen, die bei chutriel erst viel später kommen sollte. Das ganze Erlebnis war für alle sehr traumatisch (vor allem für chutriel), insofern waren wir dann alle heilfroh, nach knapp vier Wochen endlich der klinischen Umgebung entkommen zu können.


Die zweite Geburt war das krasse Gegenteil. Trotz schwerer Bedenken habe ich mich chutriels Wunsch nach einem Geburtshaus gebeugt (ist nicht so, als hätte ich groß eine Wahl gehabt), und im Nachhinein betrachte ich das, was ich immer als extrem leichtsinnig und risikobehaftet gesehen habe, als sehr mutig und genau richtig. Die Geburt war (vergleichsweise) kurz, die Atmosphäre war, verglichen mit der ersten Geburt, diametral heimelig, und die Betreuung war sehr gut und fürsorglich. Aufgrund dieses guten Rundumgefühls hatte ich richtige Vorfreude auf das zweite Kind und weniger Angst um chutriel.

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Entspannt im Geburtshaus

Nach der ersten Geburt war ich sehr stolz auf meine Frau, weil sie alle Widrigkeiten überstanden und die Verbindung zu dem fremdartigen, schrumpeligen Vogelküken trotz ihrer eigenen Situation aufgebaut hat und es zu lieben gelernt hat. Nach der zweiten Geburt war ich stolz auf sie, weil sie es trotz dem Verlauf der ersten Geburt a) noch einmal gewagt hat und es b) so gefühlt (äußerlich) mit einem Wimpernzucken durchgezogen hat.

Die erste Geburt ist eher ein verblasster Alptraum und die zweite wie eine langsam schwindende Erinnerung an einen schönen Urlaub. Trotzdem haben heute wir zwei Jungs, die extrem unterschiedlich sind, die wir aber beide gleich stark lieben, und die Art und Weise, wie sie auf die Welt gekommen sind, haben an Bedeutung verloren.

Was haben dir deine Eltern in deiner Kindheit vorgelebt?
Mutti kocht und macht den Haushalt (aber auch die täglichen Finanzen) und Vatti, der Ingenieur, kloppt die Sprüche, macht das Haus schön, hält den Garten klarschiff, findet für jedes Problem eine Lösung und sorgt für den Wohlstand der Familie. Furchtbar klassische Rollenverteilung in einem klassisch deutschen Mittelstandshaushalt. Nur wir selbst sind wichtig, und alles Unangenehme findet irgendwo da draußen statt. Unangenehme Gesprächsthemen werden gewechselt, und die Hauptsache ist, dass es uns allen gut geht. Auf der anderen Seite waren und sind nach wie vor aber beide immer zur Stelle, wenn es innerhalb der Familie Sorgen gibt oder Unterstützung vonnöten ist, sowohl finanzieller, betreuungstechnischer als auch baulicher Art.

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Bester Haltegriff ist Papas Nase.

Was für ein Vater wolltest du sein, bevor du Kinder bekommen hast?
Ein besserer, als ich bin. Der all die Illusionen, die man vor und während der Schwangerschaft noch hatte, auch tatsächlich in die Realität übertragen konnte. Trommelwirbel: hat er nicht. Der deutlich mehr Contenance an den Tag legen kann, als sich im Nachhinein herausgestellt hat. Der nicht so lange brauchen würde, sich in seine neue Rolle als Selbsthintenansteller zu fügen. Aber es ist nicht mehr so schlimm, wie in der Anfangsphase. Heute bin ich ganz zuversichtlich, dass ich als Papa angekommen bin. Zwar immer noch nicht so aufopfernd, wie ich es in meiner Vorstellung gewesen wäre (als ich noch nicht wusste, was das bedeutet), aber zumindest in einem Maß, das ich vertreten kann.

Was hättest du gerne gewusst, bevor du Kinder bekommen hast?
Wie schwierig es sein würde, mit Widerstand, irrationalem Verhalten und schlichtem Nein!-Warum?-Darum! klar zu kommen. Wie lange die Durststrecke bis zu kurzen Zeitfenstern sein würde, in denen man seinen eigenen Interessen nachgehen kann. Wie lange es dauern würde, bis man seinen Partner wieder als etwas anders als Die-der-ich-die-Kinder-zuwerfe-wenn-ich-es-nicht-mehr-aushalte betrachtet. Wie lange es dauern würde, bis ich wieder eine Nacht durchschlafen kann. Und vieles mehr.

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Warten, dass chutriel fertig ist und wir los können.

Würdest du rückblickend etwas anders machen, wenn es um deine Kinder geht?
Würde wollen, ja. Würde können? Keine Ahnung. Ich hätte wahrscheinlich weniger an einigen meiner schlechten Angewohnheiten oder egoistischen Tendenzen festgehalten, hätte ich gewusst, dass es ohnehin ein zum Scheitern verurteilter Kampf sein würde. Ich hätte nicht versucht, chutriel zum Kauf des ersten Hauses zu bewegen bzw. gutgläubig meinen Eltern folgen sollen, denn dieses Haus, und alles, was damit verbunden war, war das Saatkorn der größten Zerreißprobe unserer Beziehung. Oder anders formuliert: ich hätte auf chutriel gehört und dieses Haus nicht gekauft. Und ich würde versuchen, mich von Anfang an mehr einzubringen und sie weniger mit Kind, Haushalt und der Einsamkeit auf dem hessischen Land allein zu lassen. Besonders das Thema Haushalt ist immer noch ein schwieriges.

Heute versuche ich, diese Versäumnisse wiedergutzumachen. Aber so oder so bin ich heilfroh, dass diese Frau noch mit mir im selben Haus wohnt.

Aktuelles: Wie bist du als Vater?

 

 

Was für ein Vater bist du? Beschreibe dich mit drei Eigenschaften
Manchmal mit der Jonglage überfordert, mittelmäßig geduldig (vor allem, wenn der Schlaf nicht ausreicht, oder die Jungs es auf die Palme treiben), verlässlich (wenn es darauf ankommt), kuschelig. Alles in allem: stets bemüht im Rahmen meiner Möglichkeiten. Zitat chutriel: Eher Unternehmungs- und Bespaßungspapa als Entwicklungsbegleitungspapa.

Was denkst du, wie schätzen andere dich als Vater ein?
Wahrscheinlich als coole Socke, die viel mit den Kids unternimmt und jeden Quatsch mitmacht. Wäre auch so, wenn sie nicht so anstrengend wären. Oder ich nicht immer so müde wäre. Oder keine 40 Stunden arbeiten müsste. Oder ich geduldiger wäre.

Was denkst du, in welchen Punkten bist du deinen Kindern ein gutes Vorbild, wenn es darum geht, selbst einmal ein Elternteil zu sein?
Wahrscheinlich darin, niemanden auszugrenzen aufgrund seiner Persönlichkeits- oder Körpermerkmale (es sei denn, der- oder diejenige ist echt fies oder extrem nervig). Dann darin, sich nicht zu schämen für das, was man ist oder sein möchte. Ich möchte es meinen Jungs ermöglichen, ihre Träume in die Tat umzusetzen, auch wenn sie Astronaut, Lokführer oder Comiczeichner werden wollen. Dazu kommt, dass ich versuche, so häufig wie möglich zuhause zu sein, als möglichst wenige Dienstreisen, keine unnötig vielen Überstunden und kein Streben nach Führungspositionen. Mir ist wichtiger, für chutriel und die Jungs da zu sein, und das ist etwas, das ich auch den Jungs mitgeben möchte: wenn Du Familie bekommst, hüte sie. Eine funktionierende Familie ist keine Selbstverständlichkeit, auch nicht, dass Dein Partner all Deine Unzulänglichkeiten auffängt.

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Fliegergriff wirkt Wunder…

Welche Dinge würden deine Kinder gerne an dir ändern?
Wahrscheinlich möchten sie, dass ich nicht so oft mit ihnen schimpfe, wenn sie sich gegenseitig ärgern, ihre Zimmer in Einzelteile zerlegen oder anderweitig eskalieren. Außerdem wünschen sie sich, dass wir öfter unterwegs wären und mehr miteinander unternehmen würden (was häufig aber an Eskalationen, Müdigkeit, To-Do-Listen in Verbindung mit einer 40-Stunden-Woche und der Gefahr des Einschlafens auf dem Rückweg im Auto scheitert – letzteres sorgt dafür, dass die Streithähne uns dann bis Mitternacht auf Trab halten).

 

Was möchtest du deinen Kindern unbedingt mit auf den Weg geben?
Ihr seid toll, wie ihr seid. Ihr habt viele tolle Eigenschaften, die bereits jetzt zeigen, was für fantastische Erwachsene Ihr sein werdet. Ihr könnt immer mit mir reden und könnt Euch darauf verlassen, dass es niemals Tabu-Themen geben wird und ich Euch immer, so gut ich es kann, in dem, was Ihr vorhabt, unterstützen werde. Ich liebe Euch mit allen Macken, und ich weiß, dass einige davon genetisch bedingt sind (zur Hälfte meine Schuld) und andere anerzogen (ebenfalls ungefähr zu Hälfte meine Schuld). Und falls Ihr einiges an unserem Miteinander doof findet, hoffe ich, dass Ihr, wenn Ihr größer seid oder ebenfalls Kinder habt, rückblickend verstehen werdet, dass genau das Elternsein ausmacht – einen Weg finden, mit den vielfältigen Herausforderungen umzugehen, die heranwachsende Kinder mit sich bringen.

Wie sieht für dich der perfekte Tag als Familie aus?
Samstag. Einer von uns steht kurz mit den Kindern auf, schmiert Brot und macht die Glotze an, damit wir noch ne Stunde dösen können. Dann stehen wir auf, machen den Fernseher aus, frühstücken alle zusammen, und wenn die Kids fertig sind, gehen sie spielen (woraufhin chutriel und ich dann noch ne Stunde länger sitzen bleiben und die Zweisamkeit genießen). Die Kinder streiten sich nicht, und ich finde Zeit, etwas zu werkeln, Gitarre zu spielen oder ungestört zu lesen. Im Haushalt ist nichts zu tun, weil wir das schon an dem Tag vor dem idealen Tag erledigt haben. Ich koche Mittagessen, und keines der Kinder hat etwas am Menü auszusetzen. Beide verputzen restlos ihr Essen und hampeln nicht am Tisch herum. Auch das Ausmaß der Sauerei hält sich in Grenzen. Am Nachmittag spielen wir etwas oder gehen zusammen in die Stadt, um ein Eis zu essen oder zu bummeln. Abends sind die Kinder dann wirklich müde, weil sie den Nachmittag an der frischen Luft waren. Wir essen Abendbrot, machen die Kinder ohne Geschrei und totales Drama bettfertig, und sie legen sich maximal kooperativ ins Bett, ohne dass wir noch stundenlanges Drama oder Stehaufmännchen haben. Auf dem Weg nach unten klatschen wir mit der Babysitterin ab und gehen auf ein Metal-Konzert. Wenn wir nach Hause kommen, ist schon der nächste Tag angebrochen.

Auf Grund erwähnter 40h-Woche und anderen Alltags-To-Dos kommen „Wie ist dein Leben als Vater“ und die Fragen nach der Vereinbarkeit von chutriels Mann in einem späteren Post :-D.

rhdr

 

Ein Kommentar zu „Was macht Väter glücklich? – Teil 2 chutriels Mann

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