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Von Reisen, Projekten und Unsicherheit Lerches Jahresrückblick auf 2018

Ich gehöre zu den Menschen, die sich gute Vorsätze nehmen. Selten so etwas wie „5 Kilo Gewichtsänderung“ oder „Mehr ins Fitnessstudio“. Mehr Dinge von denen ich ahne, dass ich mit einer minimalen Bewegung heraus aus der Komfortzone viel ändern könnte. Sehr konkrete Dinge.

Weniger zu konsumieren hat funktioniert. Müll reduzieren. Gründlich ausmisten. Für 2018 war es „Soziale Kontakte pflegen“. Zum Hintergrund: Ich habe mir lange schwer damit getan, neue Kontakte aufzubauen. Ich kam mir in sozialen Situationen unbeholfen vor, auch wenn die Rückmeldung sonst war, dass ich das nicht immer bin. Ab und an etwas schroff und distanziert, aber nicht per se ein Eigenbrötler. Im Endeffekt hatte ich dann auch reichlich Bekannte angesammelt und wollte 2018 nutzen, um diese Bekanntschaften zu vertiefen – auch wenn das bedeutet, mehr zu reisen – noch eine Bewegung aus der Komfortzone.

Deshalb startete 2018 mit einem großen Fest: Tochterkind wurde getauft, Lercherich und ich dann kirchlich mit einer fetten Party verheiratet. Standesamtlich war das ganze schon seit 6 Jahren unter Dach und Fach, aber das große Event sollte zur kirchlichen steigen.
Die Party sollte ein Symbol sein. Ein Dank an all die netten Leute, die uns auf dem Weg zu einer Familie unterstützt und begleitet haben. Ein Fest für alle, die uns etwas bedeuten um eine tolle Zeit zusammen zu haben. Und genau das wurde es auch: Wir hatten eine grandiose Feier mit Menschen, die zum Teil sehr, sehr weite Wege auf sich genommen haben (ich schiele vom Bodensee nach Lübeck, nach Berlin….). Wir haben gegessen, getanzt, Erinnerungen produziert und uns rundum wohl gefühlt. Es war genau das Fest, das wir wollten – ein grandioser Jahreseinstieg. Als witzige Randnotiz: Unser Trauzeuge ist mein bester Freund, den wir jetzt seit fast 14 Jahren kennen – und über ein Online-Game kennen gelernt haben. Meine Trauzeugin kenne ich inzwischen seit 4 Jahren und auch mit ihr hat das ganze online begonnen – in einem Forum.

Und auch das restliche Jahr haben wir immer wieder Menschen getroffen: Wir waren oft in Stuttgart und in der Pfalz, immer mal wieder in Mainz und der Pfalz, haben Koblenz und Lübeck besucht, ich war in und um Berlin unterwegs, wir waren beim großen Familien – Gruppen-Treffen in Thüringen, gemeinsam mit Freunden auf einem Festival, haben einen Polterabend mitgenommen; zusammengefasst haben wir versucht, keine Gelegenheit auszulassen, um Menschen zu besuchen, die wir mögen. Das war in vielen Fällen gut, in einigen Fällen großartig und zusammengefasst fürchterlich anstrengend.

Gleichzeitig lief es beruflich drunter und drüber. Das Projekt forderte weitere Erhebungen und erste Auswertungen. Zahlreiche Tagungen, obwohl ich nicht wusste, ob mein Vertrag zum Jahresende noch bestehen würde. Der erste Einstieg in die Lehre. Die Initiierung meines ersten eigenen Forschungsprojekts (und die Unsicherheit, ob es stattfinden würde. Vorausschau: Es existiert). Gleichzeitig meine Dissertation, die oft genug nicht so schnell voran kam, wie ich mir das gewünscht hätte, zu der aber immerhin endlich ein Exposé stand. Und die Erlösung im Oktober, als der 3-Jahres-Vertrag sicher wurde.
Trotzdem: Nach dem Studium war mein Plan nicht die Wissenschaft oder der Verbleib hier im Süden. Nach wie vor bin ich von der Dissertation nicht überzeugt und habe keine Ahnung, was sie mir nützt. Aber die Bewerbungen, die ich in der unsicheren Zeit auf den Weg brachte, mündeten in Absagen. Eine Wahl habe ich also nicht.

Ähnlich deprimierend war die Suche nach einer neuen Bleibe: Zwischenzeitlich wurde uns wegen eines Neubaus der Stellplatz gestrichen, was in langen Parkplatzsuchen und Spaziergängen zum fahrbaren Untersatz mündete. Ich hatte mir überlegt, ob wir es wirklich brauchen – da Carsharing bei uns aber nicht sonderlich etabliert ist und wir generell zahlreiche Unternehmungen haben, für die wir das Auto randvoll packen, durfte es bleiben.
In jedem Fall wollte ich schon seit einiger Zeit eine neue Wohnung – mit dichten Fenstern, ein wenig grün, vielleicht einer verkehrsberuhigten Straße, vielleicht ein Zimmer mehr und ohne in jedem Sommer zu Grillgut zu werden. Dachflächenfenster sind was Großartiges. Aber der Markt gab nichts her. Zu teuer, Mietanfang zum nächsten Monat, am Hintern der Welt (und ein zweites Auto haben wir immer ausgeschlossen) oder sie ging nicht an uns. Sondern an das sympathische Paar. Den sympathischen alleinstehenden Arbeitnehmer. Die Freunde des Vermieters. Es war unser drittes Jahr der Wohnungssuche und es passierte nichts. Spoiler: 2019 hat sich auch das Problem gelöst.

2018 war auch das Jahr, in dem ich mein dann zweijähriges Tochterkind abgestillt habe und trotzdem keinen Alkohol trank – und bis heute nicht trinke. Es war das Jahr, in dem mein Sohn mit Ballett anfing. Es war das Jahr in dem ich erfuhr, dass mein Tochterkind ausreichend gut versorgt wird und aus genetischen Gründen wohl einfach keine Riesin werden würde (für mich als relativ große Frau noch schwer vorstellbar). Sie wurde zwei, das Großkind wurde vier. Ich wurde 29. Wir haben unseren lieben Kater begraben und beschlossen, erstmal kein Haustier mehr aufzunehmen. Das Großkind bekam ein Fahrrad, die Kleine einen Roller. Wir feierten einen Kindergeburtstag mit ersten Verletzten und haben auch die Kinder Freunde besuchen lassen. Wir waren – bis auf einen Virus hier und da – gesund. Ich glaube wir haben ziemlich grandiose Kinder. Und ich habe einen ziemlich grandiosen Partner, der mich in jeder Freiheit unterstützt. Ich bin mit den Kindern verreist und alleine. Nur mit dem großen Kind oder nur mit dem Kleinen. Wie es gerade gut passte. Zusammengefasst: Stinknormales Familienleben in sehr positiv.

Im nächsten Jahr werde ich 30 und ich nehme es zum Anlass, Projekte abzuschließen, ohne direkt neue anzufangen. Nicht mehr ganz so viel zu reisen und nur wenige Kontakte zu vertiefen. Fokussierter an meinen Job heranzugehen und vielleicht eine sinnvolle Perspektive zu entwickeln.
Ich werde sicher umziehen. Vielleicht versuchen wir uns an einem dritten Kind. Ziemlich sicher werde ich sehr, sehr viel zu tun haben – und mir 2020 vornehmen, mich mehr auszuruhen.

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