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Sommerloch

Der Regen kommt und langsam, ganz langsam kommen auch wir wieder aus Urlaub und Sommerprojekten gekrochen, verkrpmeln uns nach innen und finden Zeit, um hier ein wenig Leben einzuhauchen.

Es sind große Projekte, die uns gerade privat umtreiben, Umwälzungen und viel To Do. Wenn uns dann noch das gute Wetter von der Tastatur vertreibt, wird es schnell sehr still.
Ich möchte mit ein paar Gedanken zurückkommen, die mich aus der hitzigen Leichtigkeit wegtragen und vorbereiten auf gesetztere Wintertage. Gedanken, die mir ganz banal kamen, als die Kinder sich in die Schlafanzüge wickelten und ich derweil die Küche aufräumte.

Plötzlich steh ich also da. Ich bin die Erwachsene, die faul am Beckenrand liegt, obwohl es im Wasser viel lustiger ist. Ich bin die Mutter, die zwischen Aufgaben hin und her hastet und dabei selten für alles genug Zeit hat. Die Erwachsene, die so viele Freiheiten hat. Die selbst entscheiden kann, wann sie ins Bett geht. Die Süßigkeiten essen darf, so viel sie will. Der niemand sagt, sie soll ihr Zimmer aufräumen.

Kennt ihr das, dass ihr nie vergessen wolltet, wie es war, ein Kind zu sein? Mit mehr Distanz stelle ich etwas trübsinnig fest: Es nicht zu vergessen reicht nicht, um alle Schlussfolgerungen genau wie damals zu ziehen. Teilweise, weil ich gar keine Lust mehr dazu habe. Weil es sich ausgespielt hat, ausgegessen. Teilweise aber auch, weil ich immer noch Dinge „muss“ – aber diesesmal kommt das Müssen von innen. Nicht, weil es mir beigebracht wurde – nach dem Auszug war der Drang völlig weg — sondern, weil irgendwer es ja machen muss.
„Irgendwer“ sind in dieser Familie nunmal die Erwachsenen. Und auch wenn ich die Kinder einspanne, werde ich noch lange Teil des „irgendwers“ sein. Teil dieser Hintergrundmaschinerie, die dafür sorgt, dass der Alltag irgendwie läuft. Dass die Kinder eine halbwegs geordnete Basis haben, in der sie gerne leben.

Und dabei fühlt es sich noch immer an, als würde etwas auf der Strecke bleiben. Es ist weniger eine Wahl, was ich nun genau machen möchte. Sondern eine Wahl, was gerade im Moment liegen bleiben kann und nicht so drängend von innen „hier“ schreit. Oft ist das Schlaf, so wie jetzt. Seltener die Arbeit. Kaum sind es Termine, die nicht zu Hause stattfinden.
Ich will nicht behaupten, es sei anstrengender, erwachsen zu sein. Relative Selbstbestimmung ist eine großartige Sache und auch Weitsicht, Humor und Ruhe habe ich meinen Kindern vorraus. Ich kann Dinge genießen, weil ich verstanden habe wie es sich anfühlt, wenn sie fort sind. Aber wie Kinder groß sein wollen, will ich manchmal anders sein. Ich könnte nicht festmachen, wie genau. Aber hin und wieder, wenn ich die dreckigen Teller in die Spülmaschine räume und auf den dreckigen Fußboden starre, der laut „Wisch mich“ ruft, betrachte ich mich von außen und finde es seltsam, wie ich jetzt da stehe.

Es ist gut, dass der Sommer langsam geht. Jetzt kann ich ohne schlechtes Gewissen wieder zu meinem Indoor-Zustand finden, den ich vermutlich dauerhaft hätte, würde zur guten Lebensumgebung der Kinder nicht auch Frischluft gehören. Ich nähere mich meinem kinderlosen Ich wieder an.
So gerne ich auch über mich hinaus wachse, jetzt bin ich ein Bär und möchte mir langsam eine Höhle suchen.

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