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Was macht Väter glücklich?

Nach einer aktuellen Auswertung des SOEP (sozioökonomischen Panels) eins: mehr Arbeit und nicht etwa mehr Zeit mit den eigenen Kindern.

Die Zeit Online titelt im Augenblick (neben Horst Seehofers Rücktritt vom Rücktritt) die Schlagzeile „Was ist bloß mit den Vätern los?“. In dem Artikel kommt der Soziologe Martin Schröder zu Wort, der Daten einer Längsschnittstudie – eine der wenigen, die es in Deutschland gibt – zur Lebenszufriedenheit und Arbeit ausgewertet hat. Und allen, den der Spruch „traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ auf der Zunge liegt: doch, diese Daten sind repräsentativ. Beim SOEP werden und wurden für diese Auswertung 57.627 Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 18 und 65 Jahren wiederholt befragt, die Daten liegen aus den Jahren zwischen 1984 und 2015 vor.

Empirische Forschung (wie Herr Söder im Schlusswort bemerkt) zeigt uns nun mal die Welt, wie sie ist und nicht, wie wir sie gerne hätten.

Zusammengefasst belegen die Befragungen, dass die Lebenszufriedenheit von Männern mit Kindern steigt, je mehr sie arbeiten. Die Lebenszufriedenheit von Frauen mit Kindern nicht. Mütter sind im Schnitt mit rund 30 Stunden Arbeitszeit am zufriedensten, Väter mit 50 Stunden pro Woche. Entscheidend ist dabei auch das Sinken der Lebenszufriedenheit der Väter, wenn sie Teilzeit arbeiten:

Ein Vater, der 20 statt 50 Stunden arbeitet, büßt fast 0,4 Lebenszufriedenheitspunkte ein. Zum Vergleich: Wer arbeitslos wird, verliert im Schnitt 0,9 Punkte, in etwa so viel wie beim Verlust des Partners. Für Väter gibt es kaum etwas, das einen so negativen Einfluss auf die Zufriedenheit hat wie weniger zu arbeiten.

(Im Gegensatz dazu die Kinderlosen: Frauen ohne Kinder sind mit 40 Arbeitsstunden in der Woche, Männer mit etwas mehr am zufriedensten. Sobald Kinder da sind, arbeiten Frauen lieber weniger und Männer mehr.)

Das heißt also, dass deutsche Väter tatsächlich unzufriedener werden, je weniger sie arbeiten. Ist dies der Grund, warum faktisch immer noch nur so wenige Männer in Elternzeit und danach in Teilzeit gehen?

Woran liegt das?

Gender Pay Gap? Männer verdienen einfach mehr und mit der Familiengründung steigt die Bedeutung des Einkommens? Alle fügen sich schlicht in das System, aus dem sie nicht rauskommen?

Leider nein, denn diese Verteilung ist auch in den 17% der Haushalte zu beobachten, bei denen die Frau mehr verdient als der Mann. Auch da arbeiten Frauen nach der Familiengründung weniger und sind zufriedener damit. Und bei den Paaren, die sich Erwerbs- und Familienarbeit gerecht aufteilen? Sind sie gleich zufrieden?

Dödöm, auch nicht:

Es gibt tatsächlich die Theorie, dass es Eltern besser geht, wenn sich beide um Kind und Beruf kümmern. Aber die Daten bestätigen dies nicht. Ich habe Eltern untersucht, deren Situation perfekt ist, um sich Hausarbeit und Erwerbsarbeit fair aufzuteilen: sichere Jobs, sehr gute Kinderbetreuung, keine starke Belastung durch Hausarbeit. Aber bei denen sieht man das Muster noch deutlicher. Die Lebenszufriedenheit dieser Mütter sinkt sogar, wenn sie mehr arbeiten, obwohl sie die perfekten Bedingungen dazu haben. Ich finde das wirklich überraschend.

Lebenszufriedenheit ist ein subjektiver Wert, d.h. er gibt Aufschluss darüber, wie etwas empfunden wird und zeigt uns damit etwas von den inneren Mustern und Wertzuschreibungen, auf die die Lebenszufriedenheit rekurriert.

Diese Auswertung lässt vermuten, dass sozialisierte Rollenbilder und Wertzuschreibungen – also wer definiert sich wodurch und zieht aus was seine Lebenszufriedenheit – traditioneller und konservativer in Deutschland verankert sind, als so manch/e eine/r (ich zum Beispiel) gerne hätte. Solche Erkenntnisse schaffen aber auch weitere Anreize zu Diskussionen und die Notwendigkeit, diese stärker in den Fokus zu nehmen und zu thematisieren.

In dem Zuge starten wir demnächst eine Blogpostreihe, in der wir die Väter unserer Kinder zu Wort kommen lassen wollen. Wie verhält es sich bei unseren Männern mit der Familien-, Erziehungs- und Erwerbsarbeit? Wie erleben sie Vereinbarkeit und Rollenbilder? Was hat sie geprägt und was wünschen sie sich von der Politik und der Gesellschaft?

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Ein Kommentar zu „Was macht Väter glücklich?

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