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Pavor nocturnus – der Nachtschreck

Ich habe schon einiges zu unserem Schlecht-Schläfer verbloggt, aber ein Kapitel bisher ausgelassen: den Nachtschreck. Wir hatten kürzlich Besuch vom Patenonkel von Kind Nr. 2, der (weil langjähriger Freund) vor drei Jahren nachts bei uns einen Nachtschreck von Kind Nr. 1 erlebte und heute immer noch davon erzählt.

Dazu passt ein Absatz vom Babycenter-Artikel über das Thema Nachtschreck:

Der simpelste Weg den Unterschied zwischen Nachtschreck und Alptraum zu ermitteln, ist es, sich zu fragen, wer am nächsten Morgen verstörter ist. Wenn Ihr Kind aufgewühlt ist, hat es einen Alptraum gehabt. Wenn Sie es sind, der verstört von den Ereignissen der vorangegangenen Nacht zurückbleibt, hatte Ihr Kind vermutlich einen Nachtschreck. Zu Ihrer Beruhigung: Der “Terror” eines Nachtschrecks wirkt in den Eltern, die ihn beobachten müssen, weit länger nach als in dem Kind, das den Nachtschreck erlebt.

https://www.babycenter.de/a27838/nachtschreck-warum-sie-vorkommen-und-was-man-dagegen-tun-kann#ixzz5EG7RYqP7

Zuerst: Der Nachtschreck ist völlig harmlos und zählt zu den normalen Schlafphänomenen. Zudem kommt er nicht selten vor. Remo Largo, vielzitierter Kinderarzt und Entwicklungsforscher, schätzt sogar, dass ein Drittel bis zur Hälfte der Kinder mindestens einmal einen Nachtschreck erleben (aus Babyjahre).

Medizinisches findet man zuhauf im Netz, trotzdem ist es schwer zu glauben, dass es sich bei dem nächtlichen Terror um etwas völlig Harmloses handelt.

Unsere Erfahrungen mit dem Nachtschreck

Da unser Kind immer schon scheiße schlief, war der Übergang vom ständigen Aufwachen mit Gebrüll als Baby in den nächtlichen Terror als Kleinkind fließend. Richtig schlimm fand ich die Zeit zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr. Er wurde mindestens ein- bis zweimal im Monat vom Nachtschreck heimgesucht und wenn ich eines sicher wusste: je aufregender der Tag war, umso wahrscheinlicher war die Nacht betroffen.

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Darum war Urlaub für uns sehr anstrengend, Wochenendtrips machten wir nur ungern mit ihm. Denn davon abgesehen, dass er eh schon schwer einschlief und der erste Abend in einer unbekannten Umgebung noch unruhiger war, konnte man schon fest damit rechnen, dass er die erste Nacht schrie und sich nicht beruhigen ließ. Wir kehrten von den Wochenenden immer völlig fertig nach Hause zurück, weil wir kaum schlafen konnten.

Unser Sohn wachte meistens in den ersten zwei Stunden nach dem Einschlafen brüllend auf. Da er erst sehr spät einschlief, lag der Zeitpunkt zwischen Mitternacht und zwei Uhr. Er brüllte und brüllte, schlug um sich und wühlte schreiend durchs Bett. Manchmal rannte er kreischend über den Flur (diese Szene bekam der Patenonkel mit und fühlte sich wie in einem Horrorfilm). Tatsächlich konnten wir nie etwas tun. Ob wir das Licht anmachten, ihn ansprachen, sogar mit Wasser wecken oder einfach nur trösten wollten: er stieß uns weg und schrie meistens nur noch lauter.

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Der Besuch vor fast genau drei Jahren

In einem Urlaub war es besonders heftig, da standen wir zu zweit ziemlich hilflos am Bett, während sich der Sohn brüllend wand. Ich passte nur auf, dass er nicht vom Bett fiel und schob das schreiende Kind vom Rand ungefähr 30 Minuten lang ständig wieder zurück. Obwohl wir den Nachtschreck wirklich gewohnt waren, war ich jede Nacht hilflos und unsicher. Hat er Schmerzen? Bekommt er einen Krampf? Ist er krank? Was soll ich tun? Abwarten und Nichtstun fühlte sich jedes Mal falsch an.

Einmal wollte ich sogar den Notarzt rufen, weil er tagsüber den Nachtschreck bekam. Es war während seiner Krippeneingewöhnung – also eine aufwühlende Zeit -, als ich ihn nach einem Vormittag mit den vielen Kindern bei uns Zuhause hinlegte. Er schlief sofort ein und wachte nach einer Stunde schreiend auf. Er brüllte 45 Minuten, bekam keine Luft mehr und würgte nur noch zwischen den Brüllpausen. Ich hielt das kreischende Kind übers Spülbecken, spritze ihn mit Wasser nass in der Hoffnung, ihn doch wecken zu können und hatte in der anderen Hand das Telefon, weil ich den Notarzt rufen wollte. Doch als ich wählen wollte, hörte er genauso plötzlich auf wie er angefangen hatte und schlief einfach weiter.

Das war echt schlimm.

Aber so liefen die Nächte eigentlich immer ab: er wachte plötzlich schreiend auf, ließ sich nicht beruhigen (im Gegenteil machten alle Versuche sein Gebrüll schlimmer), nur um von jetzt auf gleich weiterzuschlafen. Als wäre nie was gewesen. Während wir völlig fertig mit den Nerven waren und selbst kaum noch schlafen konnten. Auch am nächsten Tag war bei ihm alles in Ordnung und wir waren völlig gerädert.

Der Nachtschreck heute

Heute ist der Nachtschreck bei ihm vergleichsweise harmlos. Nach unserem Umzug kürzlich gab es wieder zwei Nächte, in denen er schluchzend aufwachte. Ab und zu läuft er auch mitten in der Nacht weinend über den Flur, wird von uns abgefangen und wieder zurückgebracht. Am nächsten Tag erinnert er sich nicht an das Erlebte.

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Zum Glück haben wir die schlimmste Phase des Nachtschrecks überstanden und müssen auch nicht mehr bei jedem aufregenden Tag mit der schlimmsten Nacht rechnen.

Musstet ihr auch schon Erfahrungen mit dem Nachtschreck sammeln?

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2 Kommentare zu „Pavor nocturnus – der Nachtschreck

  1. Wir haben auch unsere Erfahrungen mit pavor nocturnus gemacht. Als unsere Große ein Kleinkind war, wachte sie täglich gegen 1 Uhr nachts auf und schrie eine Stunde wie am Spieß. Dabei war es so gut wie unmöglich sie zu beruhigen. Irgendwann schlief sie dann einfach wieder ein. Das war echt eine extrem anstrengende Zeit. Aber zum Glück hat sich das mit drei Jahren langsam gebessert – rechtzeitig zur Geburt unserer Kleinen.
    Liebe Grüße, Simone

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  2. Ich kenne das Thema nur zu gut. Erst vorgestern Nacht hatte meine achtjährige Tochter nach langer Zeit wieder einen, wahrscheinlich hervorgerufen durch das hohe Fieber welches sie hatte. Früher kam der liebe Pavor fast jede Nacht zu Besuch! Da hilft nur cool bleiben 😉 LG! Alex

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