Allgemein · Ernährung

28-Tage-Experiment: Unverpackt. Die ersten Tage ohne Plastikmüll

Mein Mann ist skeptisch, als ich ihm davon erzähle, dass wir ab jetzt 28 Tage lang ohne Verpackungen leben werden. (Hier geht´s zum Blogbeitrag über das Experiment.) Das Gespräch verlief ungefähr so:

Ich: „Wir leben übrigens den ganzen Februar ohne Verpackungsmüll. Weißte Bescheid, ne?

Er: „Wie soll das denn gehen?“

Ich: „Mal gucken. Das werden wir herausfinden.“

Er: „Also heute für einen Monat voreinkaufen?“

In den ersten Tagen profitieren wir auch tatsächlich noch von Vorräten, die bereits Zuhause sind. Das Ziel ist zunächst, nichts Neues zu kaufen, das verpackt ist. Es wird also von Tag zu Tag schwieriger werden.

Mein Mann war übrigens einverstanden, es auszuprobieren. Und so ging es los.

Los geht´s: Das Zero Waste Blog-Experiment

Der allererste Tag ohne Verpackungsmüll verlief gut und entspannt. Ich ging in meiner Mittagspause zu Rewe einkaufen und inspizierte das Sortiment. Dabei kaufte ich auch ein bisschen ein.

einkauf-rewe

Ich kaufte:

  • Etwas Obst
  • Gemüse
  • Joghurt im Glas
  • eine Milch im Glas

Direkt auf dem Obst und Gemüse klebte ein Scan-Aufkleber, sodass ich das Abwiegen umgehen konnte, für das man ja häufig die Plastiktüte benutzen muss. Leider gab es keinen unverpackten Brokoli…

Mein Mann kaufte im Netto noch Gemüse ein, sodass wir für den ersten Tag genug zu essen hatten. Es gab eine Gemüsepfanne mit Nudeln.

Müll vermeiden: Wirklich ohne Tüte?

Brot bekommt man bei Rewe nur verpackt, deshalb holte ich mir am ersten Tag ein kleines Kürbiskernbrot beim Bäcker. Dort musste wiederholen, dass ich keine Tüte brauchtee und die Verkäuferin hielt irritiert inne: „So?“ Ja, einfach so auf die Hand, bestätige ich. Ich wollte Müll vermeiden.

Einkaufen ohne Plastik = ein anderes Leben

Ohne Plastik einzukaufen, reduziert den Einkauf deutlich.

Bereits nach diesen ersten 4 Tagen haben wir eine wichtige Erkenntnis gemacht: Einkaufen ohne Plastik ist nicht nur anderes Einkaufen. Es krempelt im Grunde das ganze Leben um, denn es gibt gar nicht alle Lebensmittel oder Dinge, die man normaler Weise konsumiert, ohne Verpackung.

Leben ohne Plastik ist wie der Umzug in ein fernes Land, in dem es die gewohnten Speisen und andere Artikel nicht mehr gibt. Wenn man einen Supermart betritt und alles Verpackte ausblendet, bleibt echt wenig übrig.

Glücklicher Leben ohne Müll? Auf zum Selbermachen.

Obst und Gemüse sind das geringste Problem für uns. Im Konsum finden wir viele unverpackte Früchte oder Salat und auch bei Netto, Diska, Rewe und Aldi kann man eine kleine Auswahl finden. Auch Brot und Brötchen sind kein Problem. Die kann man ohne Tüte beim Bäcker bekommen.

Im Bioladen und bei Milchwerk waren wir noch nicht in den ersten 4 Tagen, aber auch dort sollten wir unverpackte Lebensmittel finden können.

Im Unverpackt-Laden (Lose in Dresden) kann ich sogar Nudeln und Reis, ohne Verpackung bekommen. Das sind ja die Basics, die man neben Kartoffeln und Gemüse immer braucht. Überleben können wir also schon einmal.

Süßigkeiten, Getränke, Müsli, Zahnpasta: Selbermachen, selbermachen, selbermachen

Unser Leben ohne Verpackungsmüll ist ziemlich aufwändig, weil ich nicht mehr durch den Supermarkt schlendere und links und rechts von mir Dinge aus den Regalen in den Einkaufswagen packen kann. Kekse? Nein. Chips? Nein. Limo? In Mehrweg-Flaschen ist Limo in unserem Experiment okay.

sueßes selber machen
Lust auf Süßes? Kuchen backen.

Was macht man nun? Man kauft Obst und schnippelt es in den Naturjoghurt oder presst eine Zitrone, um Limonade zu machen. Ganz oldschool. Selbermachen ist nicht mehr nur nice-to-have, sondern wird Voraussetzung, wenn man bestimmte Dinge essen möchte. Auch Zahnpasta und Reinigungsmittel lassen sich übrigens in Eigenproduktion herstellen.

Nachteil:

  • Selbermachen ist umständlich und frisst Zeit. Die Hürde ist auch, die einzelnen Inhaltsstoffe unverpackt zu kaufen. Sonst hat das Selbermachen ja auch keinen Sinn…

Vorteil:

  • Man behält alle Inhaltsstoffe im Blick.
    Bei der Limo, bei den Keksen oder sogar bei Kosmetik-Produkten, wenn man seine Tagescreme selbst zusammenzumischt. Im Buch „Ohne Wenn und Abfall“ gibt es zahlreiche Tipps, wie man Kosmetik, Spülmaschinenpulver oder Zahnpaste herstellen kann.
  • Man verzichtet.
    Das ist gleichzeitig ein Nachteil UND ein Vorteil, denn meine Gesundheit wird nicht böse sein, wenn ich nicht mehr täglich Chips oder Kekse mampfe. Oder Tiefkühlpizza.

Lose in Dresden: Wie funktioniert ein Unverpackt-Laden?

Am Samstag nach dem Flohmarkt schlenderte ich mit meiner Mutti über die Elbe und steuerte auf die Neustadt zu: Hier fanden wir in einer kleinen Gasse den unscheinbaren Laden „Lose“. In meinen Rucksack hatte ich Tupperdosen dabei (Ja, Plastik ist böse, aber ich habe für das Experiment nicht meinen kompletten Hausstand ausgetauscht).

Wir ließen uns kurz das System erklären: Die mitgebrachte Dose stellt man auf eine Waage und aus dieser wird direkt ein Aufkleber mit dem Gewicht ausgedruckt. Das Eigengewicht zieht die Kasse nachher wieder ab. Und dann darf man sich einfach bedienen.

Die Preise sind okay

Ich entscheide mich vorerst nur für

  • ca. 300g Vollkorn-Nudeln
  • 300g Müsli
  • 500g Natur-Joghurt

Die Preise dafür sind okay, auch wenn es im Discounter noch günstiger sein würde. Da kommt es ein bisschen darauf an, was man gewohnt ist. Aber da ich gerade auf Chips und Schokolade und alle verpackten Nebenbei-Einkäufe verzichte, werde ich wohl am Ende des Monats keinesfalls bankrott sein.

Was kostete der kleine Einkauf also? 3,88 €.

Nächstes Mal nehme ich mir für Nudeln z.B. selbstgenähte Stoffbeutel mit und kaufe mehr ein. Unser Nudelverbrauch ist z. B. extem hoch. Dieser erste Besuch im Lose sollte eher die Neugierde befriedigen, als direkt unseren Wocheneinkauf stemmen.

Fazit der ersten Tage: Es macht noch Spaß

Es macht tatsächlich noch Spaß, unser Leben ein bisschen umzukrempeln und nach dem Einkauf nicht erst die Müllbeutel rausbringen zu müssen. Weil es halt keinen Müll gibt.

Ich will mir aber noch keine Gedanken darum machen, ob es bei den 4 Wochen bleibt oder ob wir auch darüber hinaus so leben könnten. Erst einmal gilt es, jeden Tag für sich zu meistern und weiterhin zu beteuern „Danke, ich brauche keine Tüte dafür.“

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6 Kommentare zu „28-Tage-Experiment: Unverpackt. Die ersten Tage ohne Plastikmüll

  1. Das klingt nach einer spannenden Herausforderung der du dich da stellst. Ich bin mal gespannt, ob du es die ganzen 28 Tage schaffst. Vielleicht kannst du danach ja eine Challenge daraus machen und auch andere dazu aufrufen 😉
    Liebe Grüße
    Anne

    Gefällt 2 Personen

    1. Das ist eine interessante Idee! Da muss ich mal drüber nachdenken. Ich hangel mich gerade von Tag zu Tag und hoffe auch, wir halten 28 Tage lang durch. 🙂

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  2. Ich finde euer Experiment wirklich toll! Schade, dass es in unserer Nähe kein Geschäft mit unverpackten Waren gibt. Wir gehen alternativ zum Markt oder direkt zum Bauern. Dort nehmen wir auch unsere eigenen Dosen o.ä. mit, um Müll zu vermeiden. Eier kaufe ich immer beim Nachbarn. Die Eierschachteln sammel ich zusammen und gib sie dann bei Gelegenheit zurück.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg für euer Experiment!
    Alles Liebe, Simone

    Gefällt mir

    1. Danke für den Einblick in deine Lebensweise 🙂 Direkt beim Bauern einzukaufen, das ist natürlich das Non-Plus-Ulta. Davon kann man als Stadtmensch wiederum nicht profitieren (oder schwieriger), aber der Unverpacktladen ist schon super, wenn man Müll vermeiden möchte. Märkte muss ich noch erkunden (Wann? Wo? Was?), werde aber davon berichten.

      Gefällt 1 Person

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