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Demokratische Erziehung mit einem kleinen Anarchisten

Vor über zwei Jahren habe ich etwas über unseren demokratischen Erziehungsstil geschrieben („Du bist so inkonsequent!“ – Respekt und Augenhöhe in der Erziehung). Wie verhält es sich damit und mit dem mittlerweile Vierjährigen?

Hach. Liest sich der Artikel schön. Und hach, ist die Realität (nun auch) anders. Denn wir erlebten ein mühsames Beibehalten unserer demokratischen Grundprinzipien, während wir einen kleinen Anarcho Zuhause hatten, der gegen das System rebellierte. Aber Demokratie und „fuck the authority“-Punks gehören ja auch irgendwie zusammen….

Heute ziehe ich also ein kleines Fazit und stelle mir die Frage, ob wir mit unserer schönen Idee der demokratischen Erziehung gescheitert sind.

Vom Kindergartenkind zum Vorschulkind

Im letzten Jahr, genauer im Sommer zu seinem vierten Geburtstag, wurde aus unserem lieben, kooperativen und verständnisvollen Dreijährigen, der seine „schlimme Trotzphase“ überstanden hatte, ein kleines Arschl… ähm, ein kleiner Anarcho. Er wurde frech, sogar fies und völlig bocklos.

Anziehen? – Nö!
Zähne putzen? – Nö. Nö.
Nicht mit den dreckigen Stiefel durch die Wohnung poltern? – erst recht NÖ!
Den kleinen Bruder in Ruhe lassen, weil der schlafen muss? -NÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖ!!!!!

Dabei wurde mit Antworten gekontert, die uns sprachlos machten und wie die schlechtesten Eltern der Welt darstellten. Denn: „IMMER muss er tun, was wir sagen. NIE darf er machen, was er möchte.“ Untermalt mit möglichst viel Dramatik und Theatralik.

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der kleine Anarcho

Wir haben sein Verhalten einfach nicht verstanden. Wir waren verständnislos und überfragt. Es gab durch unseren Erziehungsstil schließlich viele Freiheiten mit wenig Beschränkungen. Und trotzdem fand er genug Anlass, gegen die wenigen Vorgaben zu rebellieren. Und wenn es nur darum war, weil wir ihn um irgendetwas baten. Kooperation war gestern, es herrschte totale Anarchie.

Autonomiebestreben mit 2 Jahren vs. „fuck you“-Haltung mit 4 Jahren

Eine kleine Googlesuche reicht schon aus, um herauszufinden, dass mein Kind nicht ungewöhnlich arschig… ähm, unkooperativ war *hüstel*. Zwischen vier und fünf Jahren erleben wir eine weitere Autonomiephase, ähnlich der damals in den #terribletwo. Im Gegensatz zu der vor zwei Jahren ist die aktuelle aber nicht mehr niedlich. Denn wenn man an den Zweijährigen zurückdenkt, der sich mal brüllend auf dem Boden gewälzt hat, war das zwar nervig (vor allem beim Einkaufen/im Kindergarten/unterwegs, also mit möglichst vielen Zuschauern), im Vergleich zu dem, was wir im letzten Jahr erlebten, aber echt harmlos. Außerdem verstand man die Hilflosigkeit vom kleinen zweijährigen Wutzwerg, die die Anfälle ausgelöst hat.

Das Kind wollte mehr als es konnte (oder als wir es ließen) und war eigentlich nur frustriert. Außerdem: Wenn ein Kleinkind brüllt und weint, will man es am liebsten auf den Arm nehmen und trösten.

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süß mit zwei Jahren

Aber einen Vierjährigen? Den wollte ich nicht in den Arm nehmen, den wollte ich schütteln. Sein Drama nervte und verursachte hauptsächlich Augenrollen oder Kopfschütteln. Er ließ sich auf keine Kompromisse mehr ein oder akzeptierte Lösungsvorschläge. Man konnte noch nicht mal mehr mit ihm reden. Denn er brüllte mich an, trat oder schlug nach mir und war einfach nur ätzend. Vom Aufstehen bis zum (nicht niemals jemals wollenden) Zubettgehen war es wie ein Krieg mit ihm.

Erst einmal vorweg: wir halten an unseren demokratischen Grundprinzipien fest. Jetzt sind sie wichtiger denn je.

(später aber mehr zu unserem Versagen in dieser Phase)

Denn das neue, wichtige und echt anstrengende an dieser zweiten Autonomiephase ist, dass sich jetzt die Konfliktlösungsfähigkeit ausprägt.

Und Konflikte werden in dieser Phase förmlich gesucht. Sie lassen sich wirklich überall finden, wie wir feststellen mussten. Denn, ich wiederhole: „NIE darf er tun, was er möchte und muss IMMER machen, was wir sagen.“ (An dieser Stelle bitte mein Augenrollen vorstellen.)

Das geht so ja nicht (seine Meinung), dabei verlangen wir gar nichts Weltbewegendes (unsere Meinung). Manche sprechen nicht umsonst auch von der ersten Pubertät, die (scheinbar?) Jungs in dem Alter stärker betrifft als Mädchen. Vielleicht korrigiert Lerche da mein Laienwissen.

Eins blieb gleich: Wie auch in der ersten Autonomiephase ging unsere Wahrnehmung von Alltagssituationen völlig auseinander. Und auch wie in der ersten Phase mussten wir uns alle neu aufeinander einstellen und eine gemeinsame, wenn möglich demokratische Basis schaffen.

Und das haben wir im letzten halben Jahr nicht besonders gut geschafft, ehrlich gesagt. Denn sein extremes Verhalten war (natürlich) auch eine Reaktion auf uns.

Demokratiekiller Alltag, unsere Konfliktspirale nach unten

Dadurch, dass wir beide wieder angefangen haben zu arbeiten, wurde der Alltag straffer. Viel Luft nach oben und unten gab es nicht mehr und das schlug sich auch auf unseren Erziehungsstil nieder. Die Kinder mussten beide funktionieren, Dinge auszuhandeln kostet nicht nur Zeit, sondern auch Nerven.

Und wir hatten von beidem nicht besonders viel übrig. (siehe mein Jahresrückblick)

Wir Eltern gaben uns ja schon die Klinke in die Hand, waren erschöpft und mit der schlichten Organisation des Alltags über-/gefordert. Das gaben wir auch an die Kinder weiter.

Unser Sohn ging richtig auf die Barrikaden. In dem Moment, in dem wir seine Kooperation am meisten gebraucht hätten, rebellierte er am extremsten. Je gestresster, genervter und kürzer angebunden ich war, um so bockiger, wütender und aggressiver wurde er.

Da fingen unsere Zweifel an.

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„Chaos und Zerstörung“ in Aktion

Haben wir ihn mit unserer demokratischen Erziehung verzogen? Waren wir immer zu lasch, haben ihm zu wenige Grenzen gesetzt, warum er überhaupt keine vertrug? Waren wir mit dem Vorhaben der demokratischen Erziehung gescheitert oder brauchte er, je älter er wurde, mehr Grenzen und mehr Anleitung?

Wir versuchten es, wurden erst aus der Not heraus strenger mit ihm und dann aus Prinzip. Damit eskalierte es völlig. Jedes harte Wort, jede Strafe (wir führten zum ersten Mal „wenn, dann“-Drohungen ein und blieben dabei konsequent) verschlimmerte die Situation.

Wir haben auch im Streit selbst nicht besonders gut reagiert, oft steigerten wir uns mit ihm da richtig rein. Wir haben uns angebrüllt, mit den Türen geknallt und Sachen durch die Gegend geworfen. Er wurde aus dem Zimmer geschmissen, wenn die Diskussionen fruchtlos waren (also immer) und die Kommunikation wurde damit von uns beendet.

Wir waren also extrem schlechte Vorbilder, was Konfliktlösung betraf.

Zwar entschuldigten wir uns immer und versuchten hinterher, ihm unser Verhalten zu erklären, aber trotzdem lösten wir die Konflikte in dem Moment, in dem sie auftraten, extrem schlecht. Wir waren überfordert, geschockt von seiner Heftigkeit und unsicher, wie man sich für eine Lösung aufeinander zu bewegen soll, wenn man nur auf Ablehnung stößt.

Sich entschuldigen zu können, gehört natürlich auch zum Streitenlernen dazu. Trotzdem sorgte dies für eine Augenöffner-Situation für mich:

Ich wollte den Kleinen zum Mittag hinlegen, der Große machte nur Ärger. Er war laut, stürmte ständig das Zimmer und ließ uns nicht in Ruhe. Ich habe ihn erfolglos mehrere Male darum gebeten, mir doch 20 Minuten Zeit zu geben, bevor ich wieder zu ihm rauskam. Aber – wie so oft in der Zeit – keine Versprechungen („gleich bauen wir zusammen“), kein Apell an die Vernunft („wir können doch erst zusammen ungestört spielen, wenn dein Bruder schläft, also lass‘ mich das doch jetzt bitte machen!“) und keine gemeinsame Aktion (erst haben wir versucht, den Kleinen zusammen hinzulegen, da störte er aber schon ständig und der Streit begann) funktionierte. Ich wurde richtig wütend und schmiss ihn schließlich aus dem Zimmer. Als er ständig wieder reinkam, setzte ich ihn hinter das Treppengitter nach oben (wie konsequent von mir). Dort randalierte er sogar, weil er es nicht öffnen kann, verzog sich aber irgendwann nach oben.

Als der kleine Bruder schlief (und ich mich abgeregt hatte), ging ich zu ihm hoch. Da spielte der Sohn friedlich. Ich habe mich direkt für mein blödes Verhalten von vorher entschuldigt. Seine Antwort war ein „ja.“ Ohne mich anzusehen, ohne mit mir zu reden.

Seine ganze Körperhaltung drückte Resignation aus und ich habe da erst gemerkt, dass er mir nicht mehr vertraute. Dass sich eine Entschuldigung, selbst wenn sie ehrlich gemeint ist, auch abnutzt. Da er berechtigterweise davon ausging, dass wir bald eh wieder genau so aneinander geraten werden und die darauf zwar verlässlich folgende Entschuldigung damit eigentlich irrelevant war. Ich würde doch eh nichts daran ändern.

Schockierend, wie schnell das ging. Binnen weniger Monate – der stressigen Situation des Alltages geschuldet, aber trotzdem natürlich von uns verursacht – verloren wir eigentlich alles aus den Augen, was uns in der Erziehung immer wichtig war.

Die Kehrtwende

Wir berieten uns natürlich oft im letzten Jahr. Nachdem ich wieder arbeiten ging und mein Mann erst komplett in Elternzeit war, dann auch wieder arbeitete und ich somit wieder vermehrt zuständig war, kamen wir lange nicht auf einen Nenner. Er ist in vielen Dingen strenger als ich, aber auch anleitender und kommunikativer. Ich bin meist nachsichtiger, dabei aber auch die Selbstständigkeit fördernder und körperlicher.

Wir kamen irgendwie nicht überein. Ich versuchte, mich ihm anzupassen, er sich mir. Dabei gab es ziemlich viel Erziehungschaos und wir doktorten eher an Situationen herum, die wir mit einer gemeinsamen Strategie lösen wollten anstatt uns wieder auf das zu besinnen, was uns generell wichtig war.

Erst, als wir merkten, wie sehr wir uns von unseren Erziehungszielen entfernt hatten und dass wir zu Eltern wurden, die wir eigentlich nie sein wollten, wachten wir auf. Der Sohn war nicht das Problem, wir waren es. Wir waren gestresst, genervt, wollten eigentlich alles (auch die Kinder) schnell abhandeln, um unserer Arbeit nachzukommen und um auch ein bisschen Luft für uns rauszuholen. Dies gelang uns (siehe Jahresrückblick) aber erst richtig, als wir mehr auslagerten und wieder mehr „Qualitätszeit“ mit der Familie bekamen.

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kein Dreamteam in der Zeit

 

Wir stellten unseren Fokus wieder auf das Wichtigste: auf die Kommunikation mit unseren Kindern. Wir führten uns folgendes unserer eigentlichen Richtlinien wieder vor Augen:

  • Körperliche Nähe wird niemals verweigert, auch wenn ich den Sohn gerade lieber erwürgen als umarmen möchte.
  • Kinder wollen gesehen werden. Sehen wir sie auch wirklich oder bleiben sie zu sehr auf der Strecke?
  • Worauf macht er uns mit seinem „problematischen Verhalten“ aufmerksam?
  • Es gibt halt einfach beschissene Tage, an denen es nicht läuft.
Zum ersten Punkt:

Auch wenn unser Sohn im letzten Jahr vier wurde und in einigen Monaten fünf wird, er ist noch unglaublich klein. Das haben wir vergessen. Wir waren zu sehr im „er ist jetzt der Große“-Modus und zu sehr mit der Autonomiephase des Kleinen beschäftigt. Die lief/läuft zwar verhältnismäßig reibungslos ab – oder wirkt vielleicht leicht zu bewältigen im Gegensatz zu der des Großen – in meinem Kopf war aber der Kleine das aktuelle Beziehungsziel und verdiente den hauptsächlichen Fokus. Völlig an den Bedürfnissen des „Großen“ vorbei. Ich merkte erst, wie sehr der Große die körperliche Nähe doch brauchte, als ich sie ihm wieder öfter anbot. Gerade weil er sie gar nicht mehr verbal einforderte. Ich hätte es selbst ja nie für möglich gehalten, dass dies so extrem passiert, aber seine Aggression mir gegenüber war tatsächlich „nur“ das Einfordern von körperlicher Zuwendung.

Zum zweiten Punkt:

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich im letzten Jahr nicht soooooo unfassbar viel Lust, mich mit den Kinder zu beschäftigen. Ich war zu müde und zu gestresst. Nachmittags war ich froh, wenn ich nach einer beschissenen Nacht und einem Arbeitstag, den ich durch die Teilzeit auch ziemlich stressig fand, zu Hause meine Ruhe hatte. Und ja, die Kinder wurden den ganzen Tag von Fachpersonal bespaßt und haben sich dort wohl und gut aufgehoben gefühlt. Trotzdem fordern sie meine Aufmerksamkeit nicht weniger ein. Das ist hart (für mich), aber Muttersein ist nun mal auch irgendwie mein Zweitjob. Kein Nebenjob, kein Minijob. Der zweite Hauptjob. Mein Sohn stellte mir mein Arbeitszeugnis in Form seines Verhalten aus. Und das fiel nicht besonders gut aus.

Womit wir auch bei Punkt 3 sind:

Wirklich lange muss ich nicht darüber nachdenken, worauf er mich aufmerksam machen will. Wir haben uns nicht besonders gut geschlagen und die Vereinbarkeit beschissen gelöst. Unseren Stress haben wir ins Familienleben getragen, unsere Ehekonflikte über die „care-Arbeit“ und Uneinigkeit mussten die Kinder ausbaden. Usw. usw. Wir wissen leider zu genau, was wir verbockt haben.

Womit wir auch, last but not least, bei Punkt 4 sind:

Ein schlechter Tag ist okay, eine schlechte Phase vielleicht auch, aber eine monatelange nicht. Wir haben es schleifen lassen und uns nicht bemüht. Schnell ist man im Trott, auch wenn es ein negativer ist. Aus dem einen faulen Nachmittag vor dem Fernseher wurde eine Woche, aus der Woche ein Habitus des Parkens der Kinder, damit ich was erledigen kann/meine Ruhe habe. Die Konfliktspirale drehte sich nach jedem ungelösten Streit immer schneller und wir wurden von Streit zu Streit unwilliger und unfairer.

Fazit

Unsere demokratischen Erziehungsziele sind nicht gescheitert, wir sind es. Wir sind seit einiger Zeit wieder sehr darum bemüht, die Beziehung zu unseren Kindern auf Augenhöhe zu führen, ihnen genügend Aufmerksamkeit zu schenken (nicht nur dann, wenn sie sie aktiv einfordern) und sie entsprechend mit ihren Wünschen und Bedürfnissen zu sehen und zu beachten. Seit dem läuft es – Überraschung – wieder harmonisch und friedlich Zuhause ab. Unser Sohn muss nicht mehr den Anarchisten raushängen lassen, damit wir darüber nachdenken, wo das System versagt hat.

Im Alltag bedeutet es für uns konkret:

  1. Auf die Kommunikation achten. Nicht von oben Anleitungen oder Aufforderungen weitergeben, sondern wieder auf Augenhöhe mit den Kindern sprechen. Das klingt immer so ätherisch, meint aber genau das, was da steht. Schnell ist man dabei, aus der Küche „Alle Schuhe anziehen, wir müssen los!“ zu schreien. Das sorgt bei meinem Sohn für Verweigerung (nicht, wenn es mal passiert, sondern wenn es der Hauptton ist). Es ist tatsächlich viel wirksamer, den Augenkontakt zu suchen, dabei auf gleicher Höhe zu sein und nett darum zu bitten, dass er sich doch die Schuhe anzieht, damit wir los können. Die Message ist die gleiche, der Ton aber ein komplett anderer.
  2. Körperlichkeit nur positiv einzusetzen. Ähnlich wie in der ersten Autonomiephase wollen wir uns auch jetzt nicht über den Willen des Kindes hinwegsetzen, also dem Kind nicht einfach die Mütze aufsetzen, die Schuhe anziehen oder die Zähne putzen. Auch wenn es unfassbar schwer ist, sich das Getrödel anzusehen, wenn man unter Zeitdruck ist. Im Gegensatz zur ersten Phase mit zwei Jahren (alles selbst machen wollen) braucht der Vierjährige aber öfter Hilfe. Er sagt es nur nicht. Also stehen wir daneben und fragen, ob wir ihn anziehen, seine Schuhe zumachen oder seine Zähneputzen sollen. Erstaunlich oft lautet die Antwort ja. Dabei setzt er sich auf unseren Schoß, kommt zum Kuscheln oder will auf den Arm.
  3. Wieder öfter die Wahl lassen. Zwar sind wir diesbezüglich schon sehr liberal, aber wir hinken auch jetzt wieder der Entwicklung hinterher. Unser Sohn kann mit vier Jahren mehr Entscheidungen treffen, dabei auch mehr Verantwortung übernehmen. Das fing bei der Klamottenwahl an und geht jetzt aber bis zum selbstständigen Packen seiner Tasche. Er entwickelt einen eigenen Geschmack, Hobbies, findet Freunde und hat Pläne und Ideen. Jetzt ist es an uns, ihn dabei zu unterstützen und nicht ihm vorzuschreiben, was/wen er wie finden soll.
  4. Mehr Beziehung statt Erziehung. Oh, wie sehr blieb das auf der Strecke. Wie wenig habe ich mich wirklich mit den Kindern beschäftigt, weil ich keine Zeit, keine Lust oder keine Nerven hatte. Ich war mit dem Drumherum überfrachtet, hab selten richtig zugehört oder wirklich lange mit ihnen gespielt. Aber die Eltern-Kind-Beziehung ist nun mal wie jede andere auch: man muss sie pflegen und sich darum kümmern, sonst lebt es sich aneinander vorbei oder voneinander weg.
  5. Streiten und Versöhnen neu lernen. Auch wir müssen lernen, wie man sich mit seinen Kindern streitet. Denn wütend werden wir nun mal und ich halte nichts davon, die Wut zu unterdrücken oder sie nicht zeigen zu dürfen. Aber das „wie“ ist der wichtige Punkt. Ich kann auch sehr impulsiv sein und muss da dringend an mir arbeiten. Schließlich muss ich vormachen, was mein Kind sich von mir abgucken soll.

Eigentlich sind die Punkte jeder für sich wirklich einfach umzusetzen, wenn es nur nicht im Gesamtpaket so anstrengend wäre. Ich finde es nach wie vor sehr schwer, sowohl den Job-Job als auch den Familien-Job zu gleichen Maßen qualitativ hochwertig zu erledigen. UND dabei meine Bedürfnisse AUCH noch zu berücksichtigen. In manchen Phasen läuft es gut, in manchen nicht. Manchmal kriege ich nur einen gut hin, manchmal gar keinen.

Die Mühe lohnt sich aber. Wenn man im Kleinen zugewandter und aufmerksamer ist, schaukeln sich die Streitigkeiten und Konflikte gar nicht erst so hoch. Denn Konflikte haben wir, auch immer noch. Schließlich wird er älter und stößt dabei oft an (unsere) Grenzen.

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Wir haken das letzte Jahr also ein bisschen unter „scheiße gelaufen“ ab und bemühen uns zukünftig wieder mehr um das, was uns wichtig ist. Zum Glück sind meine Kinder nicht nachtragend, von ihrer Zuversicht, jeden Tag neu zu starten, kann ich mir auch wieder etwas abgucken.

Haben wir eigentliche Leserinnen und Leser, die auch demokratisch erziehen? Oder einen anderen Stil haben und schaffen, ihn die meiste Zeit durchzuhalten?

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