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chutriels Jahresrückblick 2017

Oh, was für ein Jahr! Nach unserem 2016 (hier der Jahresrückblick 2016) sollte es in ruhige Fahrwasser gehen. Aber eigentlich toppte 2017 so ziemlich alles, was wir bisher erlebt haben.

Keine großen Umbrüche, dafür Alltag auf einem ganz neuen Level

Im März 2017 endete für meinen Mann die Elternzeit, als er (zum Glück natürlich) eine gute Stelle an unserem neuen Wohnort fand. Allerdings eine andere als geplant. 2017 wollte ich mit meiner Doktorarbeit voll durchstarten und nachdem keiner von uns so richtig in der Rolle der Hausfrau/des Hausmannes aufging, wollten wir uns Erwerbs- und Erziehungsarbeit 50/50 teilen. Aber Pustekuchen, er ging wieder Vollzeit arbeiten und ich ziemlich unter.

Zwar arbeite ich „nur“ 25 Stunden in der Woche, die aber an der Universität in einem Projekt. Das bedeutete für mich in der Regel 3-5 Überstunden pro Woche, die aber dann nicht mehr drin waren. Ich musste mittags rechtzeitig los, die Kinder von der Tagesmutter und aus dem Kindergarten abholen. Es dauerte Monate, bis meine Chefin sich merken konnte, dass ich nachmittags nicht mehr da war. Ständig wurden Besprechungen auf die Nachmittage gesetzt, meinen Doktorvater verpasste ich ebenfalls andauernd und oft gab es Arbeitsaufträge erst kurz vor knapp, die ich unter Hochdruck und mit immensem Zeitdruck bearbeitete.

An der Uni ticken die Uhren anders, meine Arbeit musst erledigt werden. Egal, wann. Und eine Zuarbeit seitens der Kollegen auf meine Anwesenheitszeiten konnte ich vergessen. Zudem fielen passenderweise die Kindkranktage ausschließlich mit Projekthochzeiten zusammen. Meine Doktorarbeit lag vollkommen brach, was mir auch viel Ärger mit den Betreuern einbrachte. Aber ich kämpfte noch damit, überhaupt den Alltag geregelt zu bekommen und fühlte mich auch von meinem Mann damit sehr allein gelassen.

Die Organisation unseres Familienlebens war gefühlt unmöglich. Mit zwei Kindern in zwei unterschiedlichen Betreuungseinrichtungen (der Große im Kindergarten, der Kleine bei der Tagesmutter) waren wir am absoluten Limit. Sogar die Schließzeiten gingen 2017 konträr und wir hatten kaum genug Urlaubstage für alle Schließtage. Ich musste meinen eigentlich freien Tag in der Woche, der für die Doktorarbeit eingeplant war, für Brückentage, Krankentage und Fördertermine mit dem Kleinen opfern. Durch seine Schwerhörigkeit haben wir halt einfach einen Mehraufwand in Form von Kontroll- und Frühförderungsterminen.

An den Kindern ging der Stress auch nicht spurlos vorbei und einfach war es mit ihnen in der Zeit auch nicht wirklich.

Nach wenigen Monaten waren wir schon extrem erschöpft, denn bis dato gaben wir uns nur die Klinke in die Hand. Der Mann übernahm am Wochenende die Kinder, ich setzte mich an den Schreibtisch. Kaum Pausen, nie Freizeit. Für keinen von uns. Das Familienleben litt, die Stimmung war gereizt. War das der Preis für mein Ziel? Und war es das wert?

 

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Sommer an der Ostsee

Meine Doktorarbeit war doch mein großes Ziel, wir wussten außerdem, dass es anstrengend werden würde. Wollte ich wirklich kapitulieren? Von allen Seiten kam Gegenwind, sogar mein Hausarzt riet mir, den Job aufzugeben oder zumindest nicht mehr zu promovieren.

Mehrmals wollte ich meine Stelle an der Uni hinschmeissen, zwei mal suchte ich mir sogar einen anderen Job. Doch kurz vor der Vertragsunterzeichnung bei einem anderen Arbeitgeber, verhandelte ich im Privaten die Bedingungen neu.

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Spazieren an der Untertrave im September

Hilfe kam in Form unserer Babysitterin, die wir als Kinderfrau einstellten. Mit zwei Gehältern war die Babysitterin erst machbarer Luxus, dieser Luxus stellte sich dann aber als überlebensnotwendig heraus.

Neue Strukturen

Im Herbst gab ich also ab. Denn ich schaffte es schlicht nicht, meinen Job UND die Doktorarbeit mit zwei kleinen Kindern alleine zu bewältigen. Wir nahmen uns auch mehr Freiheiten am Wochenende, wieder mehr Paarzeit und mehr Auszeiten. Das war bitter nötig.

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erste Datenight seit einem halben Jahr im Mai

Ich habe immer noch den Mehraufwand der Organisation und die Jonglage mit den Terminen. Aber dadurch, dass die Kinderfrau beide Kinder an zwei Nachmittagen in der Woche abholt und bis abends bei uns Zuhause betreut, kann ich mehr Stunden am Anfang der Woche arbeiten. Das verschafft mir am Ende der Woche mehr Freiraum für die Doktorarbeit und Fördertermine mit dem Kleinen.

Frühförderung am Mittwoch, statt freitags? Ich kläre auf der Arbeit, wann ich nicht da bin und lebe damit, dass mein Projektteam sich so immer noch nicht merken kann, wann ich da bin und wann nicht. Ich treffe Absprachen im Büro, mit der Tagesmutter, mit der Kinderfrau und mit dem Mann. Wer kann wann welches Kind abholen? Wer muss wann Zuhause bleiben? Sind alle Termine im Kalender eingetragen? Haben sich auch alle Beteiligten das wirklich gemerkt? (mein Reizthema, denn nicht immer lautet die Antwort „ja“)

Das ist ohne Zweifel extrem anstrengend, aber zum Ende des Jahres schaffte ich wieder mehr für die Doktorarbeit und mein Mann und ich fühlten uns nicht mehr so zerrissen zwischen Job und Privatem.

Im November setzten wir die Kinder sogar bei den Großeltern ab und flogen alleine für ein paar Tage nach London. Dies ging zwar vom Weihnachtsurlaub ab, war es uns aber wert.

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kinderlos in London

Das Familienleben mit den #bestenbrüdern

2017 wurde der Große 4 Jahre alt und der Kleine 2. Empfand ich zwei kleine Kinder in Form von einem Baby und einem Kleinkind noch gut zu handeln, wurde es mit einem Kindergartenkind und einem Kleinkind…anspruchsvoll.

Sie lieben sich, sie hassen sich, sie spielen miteinander, sie prügeln sich. Manchmal im Minutenwechsel. Habe ich mich 2016 noch schön mit dem Großen beschäftigen können, als der Kleine im Tragetuch vor sich hinschlummerte, musste ich 2017 mehr moderieren, intervenieren, schlichten und zwei unterschiedliche Beschäftigungen parallel anbieten.

Es ist zwischen den Brüdern ein ständiges Auf und Ab. Anfang des Jahres kümmerte sich der Große noch oft liebevoll um seinen kleinen Bruder, half uns und war sehr unterstützend. Doch je mehr aus dem ehemaligen Baby ein Kleinkind mit eigenem Willen und Kopf wurde, um so öfter sind sie auch aneinander geraten. Der Kleine lässt sich nämlich ungern was sagen, will überall mit dabei sein und natürlich seinen Willen durchdrücken (zur Not auch mit Gewalt). Zeitweise trennten wir sie und teilten uns auf. Dann nahm einer einen Sohn mit zum Einkaufen, damit sich der andere Zuhause in Ruhe mit dem anderen beschäftigen konnte. Ich bin auch öfter mit dem Großen am Wochenende weggefahren und mein Mann machte sich derweil gemütliche Tage mit dem Kleinen. Für mich waren die Nachmittage teilweise sehr schwierig und Unternehmungen alleine mit beiden habe ich mir gespart. Einige Monate lang war mir das schlicht zu stressig.

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harmonische Momente

Zum Ende des Jahres wurde dies aber wieder besser. Auch wenn ich finde, dass beide wirklich komplett unterschiedliche Charaktere mit teilweise gegensätzlichen Interessen haben und ich wirklich gespannt bin, ob beide zukünftig eher harmonieren oder sich reiben. Zum jetzigen Zeitpunkt schätze ich letzteres. Es war aber auch entwicklungsmäßig ein wahnsinniges Jahr mit beiden Kindern.

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Chaos und Zerstörung – unsere heimliche Bezeichnung für das Gespann 😉

 

Der Große – schwierig bleibt schwierig

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Anfang, Mitte und Ende des Jahres

Unser Erstgeborener wurde im Juli 4 Jahre alt und aus dem nie schlafendem Kleinkind wurde ein nie schlafendes Kindergartenkind. Rückblickend würde ich ihn als ein sogenanntes „high-need-Baby“ bezeichnen und wenn ich mal kurz dachte (als er 2,5 Jahre alt war) wir hätten die anstrengenden Phasen mit ihm überstanden, revidiere ich meine Meinung komplett. Ich bin froh, dass Lerchetunichtgut mir mit der Aussage „manche Kinder brauchen mehr Begleitung als andere“ eine nette Umschreibung an die Hand für das gegeben hat, was wir mit ihm im Alltag erleben. Wenig passiert bei ihm alleine, oft bedeutet ein Schritt nach vorne in der Entwicklung bei einer Sache zwei Schritte zurück bei einer anderen.

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4 Jahre am 30. Juli

Eigentlich mit 3,5 Jahren Ende 2016 trocken geworden, zog sich das Thema weiter durchs Jahr 2017. Er schlief wieder schlechter und weigerte sich nach wie vor, alleine in seinem Zimmer zu bleiben. Wir quartieren dann den Kleinen mit ihm zusammen ins Kinderzimmer aus, was auch nicht funktionierte.

Er schlief Anfang des Jahres wieder so schlecht, dass wir sogar im Kinderschutzzentrum vorstellig wurden, um die Schlafsituation Zuhause irgendwie in den Griff zu bekommen. Dass er erst sehr spät schlief, dabei extrem viel Begleitung brauchte und nachts ständig aufwachte und uns alle mit wachhielt, war einer der Gründe, warum wir ziemlich schnell ans Limit der Belastbarkeit kamen. Wir beide gingen Vollzeit arbeiten mit selten mehr als vier Stunden Schlaf insgesamt (noch nicht mal am Stück) pro Nacht. Darum war ich auch bei meinem Hausarzt, wie oben erwähnt. Körperlich und nervlich ging es uns damit entsprechend schlecht.

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Familienbett mit zwei Kindern

Aber eigentlich braucht es dafür einen Extra-Post, denn schließlich startete ich mehr oder minder meine Blogkarriere mit diesem Thema (der erste Blogpost dazu im Juli 2014). Und nein, 3,5 Jahre später haben wir es immer noch nicht geschafft.

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Bocklosigkeit – sein zweiter Vorname

Vor allem dachte ich einmal, die Autonomiephase mit 2 Jahren ist anstrengend, sie ist aber tatsächlich nichts im Vergleich zur „ersten Pubertät“ mit knapp 4 Jahren. Wir tragen Kämpfe mit ihm aus, die sind schon nicht mehr feierlich und wir geraten mit unser schönen Idee der demokratischen Erziehung oft an unsere Grenzen. Seine Standardantwort ist „Nö“, dabei kämpft er ähnlich wie damals als Kleinkind mit der Mischung aus Autonomiebestreben (alles selbst machen/entscheiden wollen) und Hilflosigkeit (Mama/Papa soll das machen). Ich persönliche finde das Alter natürlich auch spannend, weil sich bei ihm eigene Interessen, Hobbys und erste Freundschaften entwickeln, er aber in vielen Dingen noch sehr „klein“ ist – das muss ich mir auch öfter ins Gedächtnis rufen, wenn er wieder rotzefrech zu uns ist.

Wir haben 2017 für uns gemeinsame Kinobesuche entdeckt, die mit ihm unheimlich viel Spaß machen.

Nach wie vor ist er sehr aufgeweckt und an vielen Dingen interessiert. Man kann mit ihm wunderbar ins Museum gehen oder Ausflüge machen. Deshalb verreise ich auch gerne mit ihm, selbst mehrstündige Zugfahrten sind meistens gar kein Problem.

So anstrengend es mit ihm Zuhause ist, so unkompliziert zeigt er sich unterwegs.

2017 endete dann für ihn allerdings im Krankenhaus. Am 28.12. brach er sich beim Sturz vom Laufrad seinen ersten Knochen (an).

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Heute (Blogpost-Erscheinungsdatum) kommt die Schiene wieder ab

Der Kleine – der Zweite ist immer noch zum Genießen

Aus meinem süßen Baby ist 2017 ein tolles Kleinkind geworden.

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2 Jahre am 30. Dezember

Auch wenn er mir das erste halbe Jahr Sorgen mit seiner Sprachentwicklung gemacht hat, ist sie Mitte des Jahres explodiert und steht seit dem nicht mehr still. Ihm galten im letzten Jahr auch meine größten Zweifel, ob und wie wir die Berufstätigkeit von uns beiden mit seiner notwendigen Förderung unter einen Hut bringen sollten. Doch zum Glück stellten sich die Bedenken als unbegründet heraus und er ist dank der Hörgeräte so gut versorgt, dass er sich bisher altersgerecht entwickelt zeigt.

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Anfang, Mitte und Ende des Jahres

Er hat seinen Beinamen #kamikazejanni nicht umsonst, denn wo sein Bruder vorsichtig und immer schon ein bisschen ängstlich war, ist der Kleine wild und will mit dem Kopf zuerst durch die Wand – manchmal sogar im wahrsten Sinne. Er spielt ungestüm und tobt viel, verletzt sich deshalb öfter und hat uns letztes Jahr vor unerwartete Herausforderungen gestellt: Mit ihm sind Kindersicherungen und das Verschrauben der Möbel an den Wänden notwendig geworden – denn all das brauchten wir bei seinem großen Bruder nicht.

Der Kleine aber öffnet beim Fahren die Autotür hinten, klettert auf Schränke und knackt Schlösser, um an den Inhalt zu kommen.

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nur echt mit Schramme

Bei dem Kleinen mache ich mir manchmal Sorgen, ob er genug Aufmerksamkeit bekommt oder ob er den ganzen Quatsch nur anstellen kann, weil ich mal wieder in eine (fruchtlose) Diskussion mit seinem Bruder verstrickt bin.

Er zeigt sich aber zum Glück sehr willensstark und macht deutlich, wenn er was von uns braucht.

Bei ihm ist es allerdings umgekehrt: unterwegs finde ich es sehr anstrengend mit ihm, weil er vor nichts Halt macht, sich losreißt, wegläuft und auch oft keinen Bock auf Fahrten hat – ob im Auto, Bus oder Zug, er brüllt alle zusammen. Zuhause ist er dafür extrem pflegeleicht und einfach zu beschäftigen.

Sein Jahreshighlight, die Eingewöhnung bei der Tagesmutter im Februar, lief so unkompliziert ab, wie man es sich nur vorstellten kann. Sie hat keine zwei Wochen gedauert (bei seinem Bruder, der nur wenig älter war als er, damals immerhin über sechs Wochen) und er geht immer noch jeden Tag gerne hin.

Unsere Vorsätze 2018

Wie ihr gelesen habt, finde ich allein unser Familienleben extrem anspruchsvoll mit zwei so unterschiedlichen Kindern, das jedes auch noch auf seine Art spezielle Zuwendung braucht.

Trotzdem versuche ich dieses Jahr meine Doktorarbeit irgendwie „nebenbei“ fertig zu schreiben und will mich aber gleichzeitig mehr um die Kinder zu bemühen. Wir wollen mehr qualitative Familienzeit und wieder mehr Dinge mit ihnen unternehmen.

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mehr hier von für 2018

Denn das ist 2017 wirklich auf der Strecke geblieben, da wir bis zum Herbst gebraucht haben, um überhaupt im Arbeitsleben anzukommen. Darum ist es auf dem Blog so ruhig bei mir geblieben, selbst wenn ich viele Ideen für neue Posts habe.

Also doch noch ein Vorsatz für 2018: mehr bloggen :).

dav
Frohes neues Jahr an euch, liebe Leserinnen und Leser 🙂 
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3 Kommentare zu „chutriels Jahresrückblick 2017

  1. Jaaaaaaaa, mehr bloggen finde ich gut 🙂
    Es ist wirklich spannend, wie ihr euer Leben entwickelt und auch wie unterschiedlich Kinder / Familien sein können. Ich hoffe übrigens, dass es Totos erster, aber auch letzter Knochenbruch ist und wünsche ihm gute Besserung 😉 Ich habe mit 7 Jahren erst geschafft, mir den Arm zu brechen.^^
    Alles Gute für 2018!

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  2. Das klingt ja wirklich nach einem sehr anstrengenden Jahr.
    Ich hoffe, dass ihr alles schafft, was ihr euch vornehmt (denn das ist ja wirklich eine Menge!) und euch dabei nicht übernehmt!
    Ganz liebe Grüße
    EsistJuli

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