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Wie wir als Familie ohne Auto leben – Erfahrungen

Vielleicht ist es euch schon aufgefallen, dass wir kein Auto haben? Und nie eins besessen haben? Ich denke, in einer Großstadt ist das nichts ungewöhnliches. Mir sind schon einige andere Eltern begegnet, die auch ohne Fahrzeug auskommen.

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Für alle anderen halte ich hier einmal fest, wie wir mit den beiden Töchtern unseren Alltag bestreiten. Versteht es bitte nicht als Aufforderung, es uns gleich zu tun. Jede Familie lebt anders und keiner soll sein Auto abschaffen.

Unsere 3 Gründe, warum wir kein Auto haben

Unsere Gründe für die Autolosigkeit sind schnell aufgezählt:

  1. Ich fahre nicht Auto. Gar nicht. Zwar habe ich vor 11 Jahren meinen Führerschein irgendwie bestanden, doch seitdem fahre ich auch nicht mehr. Selbst als Beifahrer bin ich manchmal ein Angsthase und fühle mich auf meinem Zweirad sehr viel wohler.
  2. Mein Mann hat keinen Führerschein und strebt auch nicht an, diesen nachzuholen.
  3. Wir sind nicht bereit, Geld für ein Auto auszugeben. Ich verstehe die Vorteile eines Autos, aber der Preis für die Freiheit ist mir persönlich zu hoch.

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Typische Probleme ohne Auto + unsere Lösungen

Vielleicht fragt ihr euch, wie wir bestimmte Situationen meistern? Ich habe mir dazu Gedanken gemacht und möchte euch zeigen, wie wir es schaffen, seit 4 Jahren und 8 Monaten mit Kind(ern) ohne Auto zu überleben.

Problem 1 – Schnell mal zum Kinderarzt

Ihr kennt bestimmt die Situation, in der ihr mit eurem Kind „jetzt sofort“ zum Arzt müsst und dafür keine Stunde zu Fuß / mit dem Fahrrad / per Bus unterwegs sein wollt. Das möchte man einem kranken Kind oder gar Baby nicht zumuten – gerade bei Regen oder Sturm. Und es regnet oder stürmt immer in solchen Situationen.

Lösung: Wir rufen einfach ein Taxi. Ja, das kostet Geld, aber für uns waren das in Bonn bisher immer „nur“ 30 € von zu Hause bis zum Kinderarzt. Das ist eine überschaubare Summe, die selten anfällt. Bei normalen Krankheiten haben wir uns die 15 Minuten in den Bus gesetzt.

In Dresden liegt unser Kinderarzt inzwischen nur 13 Minuten Fußweg entfernt, ebenso wie die Kinder-Notfallpraxis. Hier brauchen wir also nicht einmal das Taxi, sondern laufen schnell mal „rüber“.

Problem 2 – In den Urlaub fahren

„Los Kinder, rein ins Auto – Wir fahren jetzt in den Urlaub.“ So einfach ist Verreisen für uns natürlich nicht. Aber Urlaub möchten wir natürlich trotzdem machen oder woanders hin verreisen.

Lösung: Die Bahn.

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Ich habe viel Haarsträubendes, aber auch schon schöne Fahrten mit der Bahn erlebt (z.B. das Bahn-Experiment: Alleine reisen mit zwei Kindern). Wir planen und buchen unsere Reisen im Voraus – die Kids fahren dabei sogar bis 12 Jahre kostenlos mit. Wenn keine Züge ausfallen, sind die Fahrten sogar entspannter als mit dem Auto.

Bei den Reisezielen sind wir natürlich eingeschränkter: Wir richten uns stets danach, wo wir gut hinkommen können, denn 4mal umsteigen macht auch keinen Spaß. Da wir in einer Großstadt starten, lassen sich andere Städte auch gut und schnell erreichen. Nur bei Dörfern wird es dann eng, wenn die Busse selten oder gar nicht fahren.

Problem 3 – Einkäufe nach Hause buckeln

Wie stemmt man den Einkauf für vier Personen, wenn vor dem Aldi kein Auto parkt, das man beladen könnte? Schwere Wasserkästen, Limo, Milch… Das soll alles nach Hause, aber wie?

Lösung: Gegen schwere Getränkekästen hilft uns vor allem eins: Sie nicht zu kaufen. Wir haben uns angewöhnt, nur noch Wasser zu trinken und das kommt direkt aus der Leitung. Ich mag gern Sprudel, deshalb haben wir uns einen Sodastream angeschafft.

Außerdem machen wir keinen einmaligen, großen Wocheneinkauf, sondern besuchen die Supermärkte nahezu täglich. Falls doch ein großer Einkauf ansteht, ziehe ich auch schon mal mit dem Bollerwagen los. Die Kids haben dann Spaß daran, sich mit hineinzusetzen und ziehen zu lassen.

Problem 4 – Wie kommen wir zur Arbeit, Kita, Freunden usw.?

Vielleicht kennt ihr das Dilemma, dass man sich ständig „auf dem Weg zu irgendwas“ befindet. Von Zuhause zur KiTa, von der KiTa zur Arbeit, von der Arbeit zur KiTa, zum Einkaufen, zu Freunden, zu Spielplatz und so weiter. Wie kann man das ohne Auto hinbekommen?

Lösung: Wir achten sehr auf kurze Wege. Bereits bei der Wohnungssuche habe ich mich daran orientiert, dass wir möglichst zentral wohnen und gut angebunden sind an den öffentlichen Nahverkehr. Mein Arbeitsweg beträgt – von Haustür zu Arbeitstür – max. 20 Minuten mit dem Fahrrad. Bis zur KiTa brauchen wir auch höchstens 8 Minuten, denn die liegt direkt in unserer Straße.

Die kurzen Wege haben oberste Priorität. Das bedeutet auch, dass wir nicht zur besten Tanzschule der Stadt fahren, sondern uns mit den Angeboten in unserer Nähe zufriedengeben. So werden wir auch später Schulen nach Wohnortnähe auswählen und gehen in Restaurants bei uns um die Ecke.

Außerdem klappern wir an einem Tag nicht IKEA, Sushi-Restaurant, Spielplatz usw. ab, sondern müssen uns entscheiden, was davon wir machen wollen. Das schränkt uns auf jeden Fall ein, aber wir wählen dann naheliegendes: Wir können auch in der Nähe von IKEA etwas essen und einen Spielplatz besuchen.

Problem 5 – Sperrige Einkäufe transportieren

Als Familie stehen immer wieder größere Anschaffungen an, die nicht in die Handtasche passen: Sei es das Babybett oder der Kinderstuhl, das erste Fahrrad oder ein Schreibtisch. Irgendwas ist immer. Wie bekommt man es ohne Auto nach Hause?

Lösung: Zunächst hat man die Chance noch einmal darüber nachzudenken: Brauchen wir diesen Gegenstand wirklich oder wäre es ein unbedachter Spontankauf? Falls die Anschaffung als notwendig eingestuft wird, kann man sich Sperrgut gegen Lieferkosten in der Regel einfach zuschicken lassen.

Sogar bei eBay-Kleinanzeigen sind viele Verkäufer bereit, die Sachen vorbeizubringen, wenn man ihnen z. B. 10 € für die Lieferung oben drauf legt. Oder wir fragen Freunde und Bekannte mit Auto, ob sie uns helfen. Das geht schließlich auch.

Problem 6 – Nachts wieder nach Hause kommen

Immer wieder ein Problem: Man ist auf einer Party und möchte nachts zurück nach Hause kommen. Entweder fährt der Bus nur noch 1x pro Stunde oder gar nicht mehr. Was macht man da?

Lösung: Wenn es wirklich eine Party war, habe ich sowieso Alkohol getrunken und würde nicht mehr Auto fahren. Fahrrad schon (Schande auf mein Haupt). Für mich ist Laufen durchaus auch eine Option – bis zu 60 Minuten mute ich mir nachts schon mal zu. Das tut manchmal sogar ganz gut.

Grundsätzlich behalte ich aber den Fahrplan des Busses im Blick und gehe um 1 Uhr los, sollte um diese Zeit der letzte Bus fahren. Eine schöne Lösung ist auch, einfach bei anderen zu übernachten. Ich jedenfalls liebe das. Oder man gönnt sich eine Taxifahrt.

Welchen Vorteil habe ich ohne Auto?

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Man kann wunderschöne Fußwege genießen 😉

Der Vorteil liegt meiner Meinung nach auf der Hand: die Kosten. Ich hatte es bereits geschrieben, dass mir ein Auto zu teuer ist. Da wäre zum einen die Anschaffung, die bei einem Gebrauchtwagen zwischen 100 – 10.000 € liegt. Mit 3.000 € kann man für einen vernünftiges Auto schon rechnen, würde ich meinen.

Auf diese Auto-Kosten verzichten wir ebenfalls:

  • Kraftstoff
  • Parkgebühren
  • Wagenwäsche
  • Hauptuntersuchung
  • Betriebsflüssigkeiten wie Motoröl
  • Kfz-Steuer
  • Versicherung
  • Werkstattkosten
  • evtl. Garagen- oder Stellplatzmiete
  • Sonderzubehör (Navi, Winterreifen, Fahrradhalterung usw.)
  • Vielleicht Strafzettel

Dem gegenüber könnte man Monatskarten der öffentlichen Verkehrsmittel stellen (60 € / Monat und Person), aber die haben wir in Dresden nicht. Wir geben zusammen ca. 30 € / Monat für einzelne Fahrkarten aus, da wir in der Regel laufen oder Fahrrad fahren. Hinzu kommen Kosten für längere Bus- oder Bahnfahrten.

Werden wir in Zukunft ein Auto haben?

In 13 Jahren wird Mila wahrscheinlich ihren Führerschein machen und im Jahr darauf Annika. Dann können die beiden uns rumfahren, darauf freuen sie sich schon. Bis dahin werden wir wahrscheinlich weiterhin ohne Auto in der City unterwegs sein – zu Fuß, per Fahrrad, Bus, Straßenbahn oder auch Taxi.

Es sei denn, Adrian macht seinen Führersein; mich erlebt ihr wirklich nicht hinterm Lenkrad (Seid froh drum!). Autos haben viele Vorteile, aber man kann auch ohne Wagen gut in einer Großstadt leben und dabei eben auch Geld sparen.

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2 Kommentare zu „Wie wir als Familie ohne Auto leben – Erfahrungen

    1. Ich bin auch auf dem Land aufgewachsen und weiß, was du meinst. Meine Eltern hatten zwar anfangs (DDR) auch kein Auto und sind immer Fahrrad gefahren, aber letztlich ist in Dörfern ein Auto natürlich eine riesige Erleichterung, gerade bei längeren Arbeitswegen zum Beispiel.

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