Allgemein · Spaß und Quatsch

Von Kiez Miez und Studentenfutter: Geschichten aus der Bahn

Hey: Die Bahn rollt. Pünktlich. Heute (Sonntag, den 05.11.2017) fahre ich von Köln nach Dresden mit einem Direktzug – Da kann ich keinen Umstieg verpassen, auch wenn die Reise insgesamt 10 Stunden dauert von Haustür zu Haustür. Anstoß zu diesem Posting ist meine Freundin Kathrin, die – vielleicht ironisch, vielleicht aber auch ernst – meinte, ich solle doch auch mal etwas Positives über die Bahn posten. Das tue ich hiermit; bei Bedarf bitte die ersten fünf Wörter noch einmal lesen.

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Lasst mich heute nicht von der Bahn direkt, sondern vom Schönsten auf den Reisen erzählen: Den Mitreisenden. Hier einige nette Bahnstorys der letzten Wochen. Kleine Momentaufnahmen:

„Würden Sie mal kurz halten?“ – Die Geschichte von Kiez Miez

Auf einer Fahrt von Leipzig bis Erfurt begegnete ich einem älteren Mann, der in einem neu gekauften Eisenbahn-Buch blätterte. „Meine Frau wird schimpfen, wenn Sie erfährt, dass ich dafür wieder mal 30 Euro ausgegeben habe.“ Aber es sei eben ein Hobby. Und besser so, als in der Kehle. Wir stimmten alle zu. Soweit, so normal. Und dann kramte er in seiner Tasche und holte eine Plüschkatze heraus. „Halten Sie mal kurz.“ Wir drei Frauen, die mit ihm am Tisch saß schauten uns vergnügt an und dann erzählte er uns von Kiez Miez.

Kiez Miez heißt bei ihm kurz Kimmi und wird von seinen Enkelkindern so geliebt, dass er sie auf jeder Reise mitnehmen muss. Nun ist sie inzwischen sein Maskottchen – Sie bringt ihm Glück und hat bei der letzten Fahrt übrigens vier Kinder beruhigt: Einmal Zwillinge und dann noch einen Jungen und ein Mädchen. Geboren ist sie in Schottland und lebte dann einige Jahre in der Kanalisation.

Ihr könnt Kiez Miez auch kaufen: Sie ist von sigikid Beasts und sieht wirklich witzig aus. Allerdings: 50 Euro. Wir haben das direkt im Zug noch recherchiert.

Das gestrandete Ehepaar

Was für ein nettes, älteres Pärchen, das ich auf meiner Fahrt nach Hannover aufgegabelt hatte. Oder sie mich, wie man es nimmt. In kleinen Katastrophen öffnen sich die Menschen bekanntlich gerne und dieses Paar hatte einiges hinter sich. Es war nach dem ersten Sturm Anfang Oktober bereits seit drei Tagen unterwegs, zurück aus Amerika und dann im Zugchaos gestrandet.

„Dresden! Was für eine wundervolle Stadt“, sagten sie und gerieten ins Schwärmen. Wir tauschten uns darüber aus, wie wir wohl am besten nach Hannover kommen könnten, wo sie aus- und ich umsteigen wollte. Im nächsten Zug standen wir im Gang und versteckten uns wie kleine Kinder, als man uns in Bielefeld rauswerfen wollte. „Alle Personen ohne Sitzplatzreservierung bitte aussteigen“ – Nö! Kicher kicher.

Sie waren so süß miteinander und ich hoffe, dass Adrian und ich im Alter auch (noch) so liebevoll miteinander umgehen werden. Die Fahrzeit mit Ihnen verging wie im Fluge.

Der Pulli für das Enkelkind

Auf einer meiner Fahrten nach Dresden lernte ich eine Frau kennen, die im Zug strickte. Jeder hat unterschiedliche Strategien, seine Zeit im Zug zu nutzen. Das ist ja das Schöne an der Bahn: Man kann lesen, im Internet surfen, Kreuzworträtsel lösen, essen oder eben stricken. Die Frau strickte einen Pullover in Größe 86 für ihr Enkelkind und erzählte, dass sie Oma zweier Mädchen war – Die Große bereits vier. Na, da konnte ich gut mitreden!

Niemand will nach Wiesbaden

Wo liegt Wiesbaden und was will man da? Das dachte sich die Bahn eines Sonntag Abends wohl auch. Wir konnten bis zum Schluss nicht herausfinden, warum es so war, aber eine Frau erahnte meine Bahn-Fachkenntnis direkt: „Ich habe gerade eine E-Mail bekommen. Der Zug fährt gar nicht mehr nach Wiesbaden. Was nun?“.

Als wir die Zugführerin fragten, flüsterte sie: Ja, das sei korrekt. Die Meldung liege ihr auch vor und die Frau solle doch in Frankfurt umsteigen.

Warum fuhr der Zug nicht nach Wiesbaden? Meine Vermutung: Wahrscheinlich war die Frau der einzige Fahrgast, der heute nach Wiesbaden wollte. Und dafür fuhr die Bahn da nicht extra hin. Ich meine das nicht ernst und würde es der Bahn doch zutrauen.

Sie jedenfalls nahm es mit Humor und wir wünschten uns gegenseitig noch eine gute Reise, als sie ausstieg. Die Begründung seitens Bahn war übrigens ein technischer Defekt an unserem Zug, der stundenlang daher rollte. Verstehe, wer kann. Ich hoffe, sie kam trotzdem noch gut in Wiesbaden an. Ich mag Menschen, die ihr Schicksal gelassen hinnehmen.

Die pendelnde Studentin mit der gleichen Strecke

Mir ist es noch nicht passiert, dass ich eine Person zweimal begegnet bin, aber ich saß wohl zumindest schon im gleichen Zug wie eine Pendler-Studentin aus Köln. Sie studiert in Dresden, wird aber mit den Menschen nicht so richtig warm und vermisst Köln. Allerdings pendelt sie auch jedes Wochenende in ihre Heimatstadt zurück, was meiner Meinung nach ein Fehler ist, weil man sich so auf die neue Stadt nicht richtig einlässt.

Bei der letzten Bahnfahrt saß mir diese Studentin mit ihrer übergroßen Brille gegenüber und als ich erzählte, dass die Bahn letzte Woche Wasserflaschen verteilt habe, obwohl sie nur 60 Minuten verspätet war, fiel auf, dass sie in der gleichen Bahn gesessen hatte. Jetzt treffe ich also schon Menschen wieder! (Fast).

Studentenfutter und Glitzerschuhe

In einer Regionalbahn nach Köln, von wo aus meine Fernreise starten sollte, traf ich einen Vater mit seiner Tochter. Ich hatte ihn erst für ihren Opa gehalten und schämte mich ein bisschen dafür. Er fragte mich, ob ich aus Bonn komme und ich erzählte, dass ich inzwischen in Dresden lebe, aber am Wochenende noch nach Bonn pendle.

„Bestimmt wegen der Liebe“, sagte er und ich bejahte es, verriet aber auch nicht mehr.

Dafür redeten wir über die schönsten Bahnstrecken und die Loreley und dann kam ich wieder einmal nicht an dem Gedicht von Heinrich Heine vorbei: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…“ Die Tochter aß währenddessen das Reiseproviant: Verschiedene Körner und Feigen. Das erwartet man von einem Papa auch nicht unbedingt, dass er Körner als Proviant einpackt. Ob sie bei der Klima-Konferenz waren?, frage ich mich dabei. Oder bei der Demo?

Hoffentlich treffe ich den ein oder anderen der Mitreisenden noch einmal wieder. Es gibt noch viel zu erzählen.

 

 

 

 

 

Ein Kommentar zu „Von Kiez Miez und Studentenfutter: Geschichten aus der Bahn

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