Allgemein · Urlaub

Urlaub mit zwei Kleinkindern

Ziel: Elba
Teilnehmer: Lerche, Lercherich, die zwei Küken (3 und 1 Jahr), der Paule aka bester Freund und Ex-Mitbewohner
Vorerfahrung: Lerche, Lercherich und Paule kennen Elba bereits von vorherigen Besuchen. Das Grundstück ist das Gleiche, die Schlafmöglichkeit auch. Urlaub fand bisher nur mit dem Großküken statt, als er ein Jahr alt war.

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Worauf man sich einstellen muss: 8 Stunden Fahrt, die wir bis zur Fähre nachts absolvieren. Selbstversorgung und Camping ohne Waschmaschine oder Dusche. Reisezeit sind die letzten zwei Septemberwochen, das bedeutet etwas Wetterlotterie, auf alle Fälle aber nicht mehr brülleheiß. Internet gibt es zwar, aber nicht besonders schnell. Außerdem wollen wir darauf verzichten.

Was wir vor haben: Am Strand liegen, im Optimalfall jeden Tag auf einem anderen. Sportlich wandern und dabei die Kinder vorrangig tragen. Den Monte Capanne (höchsten Berg der Insel) besteigen. Ein wenig auf Napoleons Spuren herumlaufen und die italienischen Kleinstädte genießen. Ganz wenig shoppen. Sehr viel Obst, Eis, Pizza und Nudeln.
Auf dem Rückweg einen Abstecher in Florenz machen.

Was wir gar nicht brauchen können: Die unvermeidlichen Stechmücken. Skorpione, Schlangen und Feuerquallen müssen auch nicht sein. Waldbrand wäre genauso schlecht, wie Dauerregen. Zum Glück sind wir nicht an Buchungen gebunden und können auch sehr früh wieder heim.

Auf alle Fälle mit müssen: Bilderbücher und die Toniebox. Lesematerial und Brettspiele für die Großen. Bobbycar und Hüpfpferd, Schwimmsachen und Sandspielzeug. Eine Kamera, die nicht an einem Handy hängt. Sonnencreme und Mückenschutz. Ein Auto, in das alles reinpasst. Das ist in unserem Fall ein Opel Meriva mit Dachgepäckbox. Ohne Auto kann man die Insel zwar machen, aber es ist wirklich hüglig, das muss man mögen.

Kalkuliert: Für zwei Wochen mit 3 Erwachsenen und zwei Kleinstkindern 1200€ inklusive Benzin, Mitbringsel gehen extra.

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Die Anfahrt: Problemlos. Lercherich hat am Tag reichlich vorgefahren, musste also erst gegen 2 Uhr nachts abgelöst werden. Gestartet sind wir um 22 Uhr und haben die Kinder bereits schlafend ins Auto gesetzt. Als wir morgens an der Fähre waren, waren wir etwas gerädert und die Kids fit und gut gelaunt.

Die Unterkunft: Im Wohnwagen schlafen die Kinder mit den Eltern auf einem großen Matratzenlager, der Paule hat eine eigene Pritsche. Also quasi wie zu Hause auch. An Chemieklo und Gaskocher draußen hatte man sich schnell gewöhnt. Die Dusche war nur bei Sonnenschein zur Mittagszeit warm, das musste kalkuliert werden. Im Verlauf haben die Kinder ein Planschbecken bekommen, in dem wir kochendes Wasser vom Herd mit Gartenschlauchwasser gemischt haben. Der viele Platz auf dem Grundstück sorgt dafür, dass man sich kaum in die Quere kommt.

Das Essen: Paule ist Koch und ein sehr guter noch dazu. Die italienischen Zutaten sind hervorragend, wir haben immer gut gegessen. Zweimal waren wir auswärts essen, das ist auch sehr locker, aber nicht nötig. Sehr nötig hingegen: Jeden Tag am Obst- und Gemüsestand vorbei und feldfrisches Frischzeug genießen. Wir haben kiloweise Obst und Gemüse gegessen. Nur Bananen hat das Großküken irgendwann vermisst. (Die hätte es im Supermarkt auch gegeben, aber wir wollten nicht so recht) Das Brot ist weiß und relativ geschmacksneutral, dafür sind die Dulci (süßen Stückchen) umso besser.

Das Wetter: Die ersten Tage waren der GAU. Regen, Gewitter, Sturm und kühl. Wäre es so geblieben, der Urlaub wäre kurz verlaufen. Zum Glück hat es sich dann aber zügig geändert und die kommenden zwei Wochen haben wir die warme italienische Sonne genießen können. Ehrlich, Geschirr waschen im Sturm ist auch etwas, auf das ich gerne verzichten kann, von den Klogängen draußen ganz abgesehen.

Die Laune: Bei den Kindern fast durchgängig gut bis sehr gut, von einigem Müdigkeitsgequengel abgesehen. So viel Spaß draußen hat man sonst ja auch selten: Mit Wasser planschen, im Dreck wühlen, klettern, halbwilde Katzen beschmusen, in der Hängematte schaukeln, ein Aquarium einrichten – und dann ist da auch noch Onkel Paule, der fast immer zu Späßen bereit ist. Die Spielverderber waren eigentlich nur wir Großen ab und an: Wenn wir das Geld durchrechnen mussten (gemeinsame Kasse beugt hier Stress vor) oder uns doch mal wegen unterschiedlicher Ansichten zum Fegen unter dem Vordach, der Essensplanung oder dem Umgang mit den Kindern in die Wolle bekamen. Die Wogen liesen sich aber immer schnell wieder glätten.

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Die Unternehmungen: Das Aquarium ist teuer, aber für die Kinder sehr spannend. Die napoleonische Villa besucht man besser im Verbund mit den Museen in der Inselhauptstadt Portoferraio. Die Strände sind phänomenal: Egal, ob weißen Sand, grober Kies, Steinplatten, es ist für jeden etwas dabei. Unser Hausstrand war zum Schluss der schwarze Strand Terranera. Schwarzen Glitzer überall hat man sonst aber auch wirklich nie. Mir war das Wasser meist zu kalt, ich habe mich also aufs Sonnen und Fotografieren verlegt. Der Lercherich ging mit dem Großküken viel an den Felsen klettern, das Kleinküken war froh, einfach vor sich hin krabbeln zu dürfen. Der Paule ging viel schnorcheln, denn auch dafür eignet sich das wahnsinnig klare und azurblaue Wasser bestens: Es gibt wirklich viele Fische.
Genauso wunderbar ist die Insel zum Wandern und dafür hatten wir auch die richtige Jahreszeit. Man darf sich nur nicht scheuen, die Kinder zu tragen. Wir waren mit Tuch und Luemai bestens gerüstet und hatten den Großen und die Kleine abwechselnd auf dem Rücken. Aber – Hut ab – der Große ist auch längere Strecken selbst gelaufen. Auf den Monte Capanne ging es mit der Gondel, die aussieht wie ein Vogelkäfig und den nicht schwindelfreien Paule in Todesangst versetzt. Runter dann zu Fuß – dafür ist ein wenig Trittsicherheit nötig, aber dann geht es selbst in Espadrilles. Begleitet wurden wir von Mufflons, Schmetterlingen und vielen Eidechsen. Für die Wanderrouten empfiehlt sich ein Wanderführer (wir hatten den von Rother), auch wenn viele Strecken gut ausgeschildert sind.

Für Florenz schlussendlich hätten wir mehr Zeit benötigt, aber so im Schnelldurchlauf war es auch für das Großkind spannend zu sehen. Außerdem durfte er Karusell fahren und ein Eis essen – ohnehin war es nie so einfach, Kinder und Eltern gleichermaßen durch Eis glücklich zu stimmen.

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Was richtig gut war:
Paule dabei zu haben. Wir konnten in Ruhe Geschirr abspülen oder Wäsche waschen, während er mit den Kindern die Hängematte zum Piratenschiff umfunktioniert hat, Speerweitwurf mit Ästen spielte oder auf Ameisen-Entdeckungstour ging. Im Gegenzug konnte er in Ruhe kochen. Auch bei den Touren und in den Städten war es nicht nur lustiger, sondern auch entspannter. Nur, dass er inzwischen wieder das Rauchen angefangen hat, trübte ein wenig die gute Stimmung.

Mir die Planung zu überlassen. Wir haben am Anfang abgesprochen, was wir auf alle Fälle erleben wollen und auch wie wir uns den restlichen Urlaub vorstellen. Davon ausgehend, habe ich jeden Tag nach Wetterlage neu geplant. Als mir zum Ende hin die Lust dazu ausging, haben die Jungs zwei Tage übernommen. Auch das Geld habe ich verwaltet. Dafür haben die Jungs die handfesteren Arbeiten um Haus und Hof übernommen.

Die Pausetaste zu drücken. Kein Internet, keine Uhr, keine Zwänge. Nur ganz gelegentlich haben wir wegen der Ladenöffnungszeiten (lange Mittagspausen sind üblich) mal die Uhr bemüht oder wegen Unternehmungen den Wetterbericht gecheckt. Aber sonst haben wir völlig von Tag zu Tag und ziemlich in den Tag hinein gelebt. Wir sind aufgestanden, haben ohne Hektik gefrühstückt und sind dann ganz gemütlich zur Tagesunternehmung aufgebrochen. Nur nicht stressen lassen. Es war alles sehr entschleunigt und tat entsprechend gut.

Was nicht so gut war:
Jeden Tag die Wäsche von Hand waschen. Gut, es war auch abenteuerlich und irgendwie lustig, aber es hat viel Zeit gekostet und Pfirsichflecken zu entfernen war richtige Arbeit, trotz Sonnenbleiche.

Die fehlenden Sprachkenntnisse. Keiner von uns kann ausreichend Italienisch und auch wenn das kein echtes Problem war und wir uns gut mit englisch und deutsch durchschlagen konnten, fühlte es sich doof an, nicht mal einfachste Gespräche führen zu können. Im Winter gibt es einen Italienischkurs.

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Fazit:
Ich habe mir im Vorfeld reichlich Sorgen gemacht, ob ich diesen Urlaub genießen werde. In permanenter Verfügbarkeit bin ich ganz schlecht, ich brauche meine Ruhemomente, und ungewohnte Orte und Abläufe verunsichern mich. Zu meiner freudigen Überraschung war es ein Urlaub, wie man sich Urlaub vorstellt und ich kann alle Fragenden nur ermutigen, auch früh mit den Kindern wegzufahren und es sich zuzutrauen. Sofern Eckdaten und Vorbereitungen passen, profitieren alle Beteiligten davon.

 

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