Allgemein · Umzug

Vollzeit in Dresden: War das eine Woche Arbeit oder Urlaub?

17:13 Uhr. Der Zug rollt los und ich bin sooo müde. Daraus könnt ihr wohl die Antwort auf die Frage herauslesen, ob ich die Woche chillen durfte oder schuften musste. Korrekt ist natürlich: Beides stimmt. Eine Woche ohne Kinder ist immer irgendwo erholsam, eine neue Arbeit extrem fordernd. Hinzu kommen die sechs Stunden Bahnfahrt, die ich mich jetzt stellen muss. Gegen 24 Uhr sollte ich „Zuhause“ sein.

eierschecke
Sächsische Eierschecke – Dafür lohnt sich alles

Ich bin startklar: Neuer Job, neue Stadt, neue Wohnung

In Dresden wohne ich in einer gemütlichen Ein-Raum-Wohnung, die in einem Einfamilienhaus liegt, und die von der Kaffeemaschine über Tassen bis hin zur Waschmaschine mit allem ausgestattet ist. Sogar mit Ruhe. Der erste Tag lief entsprechend entspannt: lange schlafen (bis 8 Uhr), Kaffee kochen und ein bisschen in Facebook scrollen auf meinem Bett. Immer noch: Ruhe.

Stadtradeln: Das habe ich mir anders vorgestellt

Gegen 9 Uhr radelte ich dann von Dresden Gorbitz aus in die Altstadt. Was ich nicht gewusst und auch nicht recherchiert hatte: Der Stadtteil sitzt oben auf einem Berg. Mein Arbeitsweg ist morgens supercool: 20 Minuten mit dem Fahrrad bis zur Arbeit rollen. Und nachmittags megaätzend: Radeln, Strampeln, Straaampeln, Straaaa… ach, egal… Schieben. Ich gehe auf dem Nachhauseweg noch Einkaufen, deshalb kann ich nur schätzen, dass der Heimweg etwa doppelt so lange dauert.

Am ersten Tag will ich einfach nur noch SCHLAFEN

Von 10 bis 16 Uhr verbrachte ich meinen ersten Arbeitstag zur Einstimmung noch entspannt kurz und trotzdem gefühlt sehr lange. Nachmittags kroch die Erschöpfung des Vortags und generell die Müdigkeit durch die hohe Informationsdichte auf Arbeit in mir hoch. Ich traf mich noch mit einer Freundin zum Essen beim Asiaten, und dann fuhr ich zurück zu meiner Wohnung. Einen Abstecher machte ich ins Kaufland, was ich sofort bereute, weil ich nichts fand, und dabei wäre nebenan ein kleiner, übersichtlicher Netto gewesen. Warum habe ich mich nur für Kaufland entschieden? („Dann geh doch zu Netto!“)… Ich konnte Nudeln, Zwiebeln, Müllbeutel, Ketschup, Kaffee und Filter erst nach einer halben Stunde erfolgreich aufs Kassenband legen. Nun war ich reif für Zuhause.

Die Abende allein – Statt Party, Pyjama und eine Katze

Stellt euch vor, ihr könntet eine Woche ohne Kinder verbringen. Wie würdet ihr die Abende planen? Essen gehen? An der Elbe spazieren? Kino, Theater, Partymeile? Ich jedenfalls hatte Mühe, bis 22 Uhr die Augen offen zu halten. Mein Kopf schwirrte von den neuen Informationen auf Arbeit, von der ersten Aufgabe, die ich bekommen hatte und die ziemlich anspruchsvoll war. Neue Kollegen, Großraumbüro, Küchendienst. Ich telefonierte mit meinem Mann, mit den Kindern, mit meinen Eltern, aber am Ende fühlte ich mich doch alleine, schaltete den Fernseher ein und fiel ziemlich früh in den Schlaf.

Katze auf dem Bett
Meine neue Mitbewohnerin chillt auf dem Bett

Meine Lieblinge auch an den anderen Abenden waren der Pyjama und eine Katze, die hier im Haus wohnt und mich gerne besuchen kommt. (Sie mag mich irgendwie. Oder die Wohnung.) Das klingt nicht sonderlich spannend, aber dafür habe ich im Fernsehen „Der Nanny“ gesehen (zugegeben: auch nicht spannend) und eine Sendung, bei der vermisste Personen gesucht und oft sogar gefunden wurden (Schluchz, war das schön!). Ist doch auch was. Fernsehen habe ich ja in Bonn nicht.

Gegen das Vermissen helfen WhatsApp-Video-Anrufe und Postkarten

Herzlichen Dank an die Digitalisierung! Was wären wir nur ohne WhatsApp? Zum einen kann ich abends noch mit Freunden chatten und Bilder austauschen, zum anderen mit einem Klick einen Videoanruf starten.

„Hallo Kinder, wie geht´s euch?“

„Wir essen Pizza. Wo ist die Katze?“

„Hier ist die Katze.“

„In welcher Wohnung bist du, Mama?“

„Ich bin in meiner Wohnung in Dresden.“

„Zeig nochmal die Katze.“

Und dann gibt es den längeren, altmodischen Weg. Er kostet ungefähr 1,45€ und braucht bis morgen oder übermorgen, aber ich liebe Postkarten und deswegen durften sich meine Kinder diese Woche über zweimal Post von mir freuen.

Meine Familie ist weg, meine Familie ist nah

Der Tag der deutschen Einheit – Ausgerechnet dieser besondere Feiertag – bescherte mir einen freien Tag, kaum hatte ich einmal an meinem Arbeitsplatz gesessen. Ziemlich cool. Noch cooler aber war, dass meine Eltern mich um 10 Uhr morgens von ihrem Zuhause aus anriefen und um 11 Uhr bereits vor meiner Tür standen. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten, die ich in den letzten 11 Jahren nicht hatte, weil hunderte Kilometer zwischen uns lagen. Wir verbrachten den Feiertag gemeinsam und nächste Woche besuche ich nach der Arbeit meine Schwester. Einfach so.

Nun müssen wir noch ein paar Wochen durchhalten, bis auch mein Mann, meine Kinder und ich keine Kilometer mehr zwischen uns haben.

Neue Wohnung: Wie schnell das ging!

In dieser ersten Woche habe ich nicht nur gearbeitet, sondern konnte schon einen riesigen Punkt von der To-Do-Liste streichen: „Wohnung für uns 4“. Mir ist es tatsächlich gelungen, eine Wohnung zu finden, die vielen Anforderungen von uns gerecht wird: Altbauwohnung mit Balkon und Garten in einem Haus mit vielen Familien. Im Treppenhaus hing eine nette Notiz, die dazu aufforderte, sich bei Familie x Kuchen abzuholen, wenn man Lust drauf hatte. Sehr sympathisch. Ebenso die Laufräder und Fahrradanhänger im Treppenhaus.

Mein Mann bändigt währenddessen die Kinder

Bislang musste ich weder von den Kindern noch von meinem Mann Beschwerden entgegen nehmen. Anscheinend läuft das Leben zu Hause wie am Schnürchen. An sich haben es auch alle gut: Mein Mann kann freie Zeit genießen, wenn die Kinder in der KiTa sind, weil er im Moment nicht arbeitet, und meine Kinder haben volle Papa-Zeit am Nachmittag. Ansonsten gehen sie normal in den Kindergarten oder können Ausflüge machen. In dieser Woche ging´s mit Papa, Oma und Opa in die Rheinaue.

Vollzeit: Der Power hält nur bis zur Mittagspause

Ich bin im letzten Jahr mit meinen 30 Stunden sehr verwöhnt worden. Jetzt wieder 8 Stunden am Tag kreativ und fleißig zu sein, ist definitiv eine Umstellung. Den Vormittag überstehe ich fröhlich und voller Tatendrang, doch um 13 Uhr holt mich ein Nachmittagstief ein – dabei muss ich dann noch 3 oder gar 4 Stunden im Büro verbringen. Allerdings habe ich gerade eine Ausnahmewoche hinter mir: Die Eingewöhnung. Vieles durfte ich mir selbst anlesen oder mir Videos zu den Arbeitsthemen angeschauen, dabei Notizen machen und alles verstehen.

8 Stunden lernen am Stück ist schwierig, weil der Kopf irgendwann voll ist. Beim Arbeiten hingegen vergeht die Zeit viel schneller, manchmal zu schnell.

Resümee: Wir kommen unserem neuen Leben Tag für Tag ein bisschen näher

Mein Mann und ich arbeiten gut zusammen; ihr könnt uns auch Dream Team nennen. Es freut mich, dass es den Kindern so gut geht, weil sie ja doch sehr an mir hängen, aber der Kindergarten, mein Mann und auch die Anrufe zwischendurch können das gut auffangen. „Noch dreimal schlafen, dann sehen wir uns wieder“, zähle ich kurz vor, wenn das Vermissen zu groß wird. „Am Wochenende bin ich wieder da.“

Und Wochenende: Das ist jetzt! Inzwischen ist es halb 8 und wir werden eine Stunde später in Frankfurt ankommen, da der Zug eine andere Strecke fährt. Sturmschaden… Hoffentlich wird der bis Sonntag behoben. Gegen 1 Uhr nachts bin ich voraussichtlich in Bonn und Leute, das kann ich kaum erwarten!

 

 

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2 Kommentare zu „Vollzeit in Dresden: War das eine Woche Arbeit oder Urlaub?

  1. Katzen sind einfach tolle Tiere 🙂 die spürt sicher, dass du nicht gerne alleine sein möchtest 🙂
    Klingt wirklich aufregend und spannend bei dir! Und super, dass das mit der Wohnung schon geklappt hat!
    Dann weiterhin viel Glück 🙂

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