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Gute Miene zum bösen Konzeptwechsel

Das neue Schuljahr steht vor der Tür. Die großen Kindergartenkinder sind entweder schon aus der Kita genommen, oder fiebern dem Schulbeginn entgegen. Langsam aber sicher formt sich die neue Krippen-Gruppe, die jetzt gerade ihre Eingewöhnung beginnen. Kilian steckt mittendrin. Wir befinden uns am Anfang des dritten Kita-Jahres. In unserer Betreuungseinrichtung heißt das, dass die Spatzengruppe nun zu den großen Kindern gehört.

Unsere Kindertagesstätte ist in zwei Häuser unterteilt und arbeitet in beiden Häusern mit unterschiedlichen Konzepten.

Im Haus 1 sind die Krippenkinder von 1-3 untergebracht. Für jede Gruppe stehen dabei eigene Gruppenräume inkl. Bad und Schlafraum zur Verfügung. Bis auf die gemeinsamen Spielzeiten am frühen Morgen und späten Nachmittag, wo aus personellen Gründen die Gruppen zusammengelegt werden, werden die Kinder in geschlossenen Gruppen betreut. Es gibt feste Essenszeiten, feste Schlafplätze und -zeiten und einen gewohnten Bereich in dem sich alles abspielt.
Die Kleinsten lernen so einen strukturierten Tagesablauf und ein gewisses Gruppengefühl kennen.

In den nächsten Wochen werden die Spatzen jedoch in das Haus 2 umziehen. Und mir graut es jetzt schon davor, denn für uns wird alles anders:

Haus 2 arbeitet nach einem teiloffenen Konzept mit Themenräumen statt Gruppenräumen. Der Tagesablauf wird komplett über Board geworfen.

Die Frühgruppe, in der die Kinder aller Altersgruppen erst mal zusammen empfangen werden beginnt weiterhin ab 6 Uhr in Haus 1. um 7.00 Uhr wechseln die Großen dann in Haus 2 wo zunächst einmal gefrühstückt wird. Jedoch nicht alle zusammen, wie man jetzt vielleicht denken mag, sondern in Etappen, da das „Bistro“ nur 15 Kindern gleichzeitig Platz bietet. Die Frühstückszeit endet 8.15 Uhr. Bis dahin müssen alle Kinder gegessen haben. Denn die Erzieherinnen aus dem Bistro werden danach in den Themenräumen gebraucht. Wer um 8 Uhr erst kommt steht hier schon das erste Mal unter Zeitdruck.

Alle Kinder erhalten danach ihre „Ausweise“ mit denen sie sich in den Themenräumen „einloggen“ können. Pro Raum stehen zwischen 10 und 15 Plätzen zur Verfügung. Je nach Mitarbeiterkapazität kann es aber auch passieren, dass nicht alle Räume besetzt sind. Besonders in den Urlaubszeiten und Krankphasen ist die Auswahl eher eingeschränkt. Benutzt werden können diese Räume zunächst 8.30 Uhr bis 9.30 Uhr, danach müssen alle Kinder in ihre sogenannten Stammgruppenräume für Lernangebote.

Für uns wird das das Atelier sein. Auf den ersten Blick praktisch, da dies der einzige Raum mit Tischen und Stühlen ist. Zum Schlafen wird das aber problematisch, da alles für die Feldbetten beiseite geräumt werden muss. Ein enormer logistischer Aufwand für Erzieher und Kinder.

Vorher steht das Mittagessen an, auch wieder in Etappen. Da unsere Gruppe noch den meisten Schlaf benötigt wird ab 11:30 Uhr gegessen, ab 12 Uhr herrscht für uns schon Mittagsruhe…während die nächste Gruppe zum Essen antritt. Nach dem Schlafen wird gemeinsam gevespert. Anschließend stehen die Funktionsräume wieder zur Verfügung.

Warum wir (Eltern) uns darauf nicht freuen:

Der Gruppenalltag war bisher klar und entspannt durchstrukturiert. Alle Mahlzeiten fanden gemeinsam im Gruppenverband an einem Tisch statt. Zusammen mit den Bezugserziehern. Im neuen Konzept frühstücken die zusammen, die gemeinsam ankommen. Anwesender Erzieher ist der, der an diesem Tag das Bistro betreut. Das kann täglich wechseln. Kilian, als schlechter Esser, hat hier nun die Möglichkeit einfach aufzustehen und in die Funktionsräume zu gehen, wenn für ihn das Frühstück beendet ist. Der Rest des Tages besteht aus Hast. Noch ehe die Kinder richtig im Funktionsraum angekommen sind, steht auch schon das Lernangebot an – für welches aber wiederum auch nur etwa eine Stunde zur Verfügung steht. Dann wird gegessen, umgeräumt, umgezogen, geschlafen. Alles husch husch.
Für uns verschieben sich dadurch auch die Bring- und Holzeiten, was mit meinen Schichten kollidiert. In den Spätschicht Wochen muss Kilian also zu Hause frühstücken oder ich muss trotzdem wie zur Frühschicht aufstehen.

Ein weiterer Punkt ist für mich die bisher schon mangelnde Kommunikation mit den Erziehern. Die Infos die man morgens an die Empfangserzieher abgibt, müssen über die Gruppenerzieher ans Nachmittagspersonal weiter gegeben werden. Das hat bisher schon mehr schlecht als Recht funktioniert und wird sicher so nicht einfacher.

Auch bauliche machen wir im Haus 2 miese. Die Einrichtungen in den Räumen sind stark veraltet. Insbesondere das Bad macht mir aus hygienischer Sicht Sorgen, denn leider reicht man es schon bevor man den Raum betritt. Zwar wurde uns ein Umbau in Aussicht gestellt, aber wann dieser erfolgt steht in den Sternen.

Gute Miene machen…

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und besonders unseren kleinen Menschen fällt so ein großer Umzug schwer. Ich habe bei Kilian in den vergangenen Wochen gemerkt, dass ihm bereits die Übergangsphase zu schaffen macht. Die Räume wurden teilweise schon ausgeräumt und für die neue Gruppe vorbereitet. Die leeren Regale und Kleiderhaken vermittelten beim ankommen immer das Gefühl irgendwie im falschen Raum zu sein. „Bin ich der Erste?“ etablierte sich als tägliche Frage. Die Ferienzeit trug dazu bei das Gefühl zu vermitteln, man wäre alleine. Oft wollte Kilian gar nicht in den Gruppenraum in dem die „Spatzen“ mit den „Pferdchen“ zusammengelegt wurden.

Trotzdem müssen wir jeden Tag den Eindruck vermitteln, als wäre das alles toll und aufregend. Denn schließlich will doch keiner sein Kind zusätzlich verunsichern.

Kilian hat zum Umzug einen neuen Rucksack bekommen um ihm das neue Kindergartenjahr schmackhaft zu machen. Außerdem näht eine unserer Gruppenmuttis einheitliche Wäschebeutel für die Wechselwäsche mit Wunschmotiven.

Die Erzieher haben uns versprochen, dass unsere Kids schneller in die neue Situation hinein wachsen werden als wir. Ich hoffe sie behalten Recht und Kilian fühlt sich weiterhin so wohl wie bisher. Denn ich will ja auch ohne schlechtes Gewissen an die Arbeit gehen können.

Also jubele ich zu den Veränderungen, obwohl ich mich lieber umdrehen und kotzen möchte.

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