Von faul zu fit: Solina’s Beitrag zur Blogparade „Mein Körper (und ich)“

Nach Schokominza und Chutriel will auch ich mich heute an einem Beitrag zu dieser doch sehr persönlichen Blogparade versuchen.

Reisen wir auch in der Geschichte meines Körpers zunächst in die weit entfernte Kindheit:
Ich war immer die Kleinste und Zierlichste. Sollte eigentlich mit 7 erst eingeschult werden, da mir die körperliche Entwicklung zu meinen Klassenkameraden fehlte. Meine geistige Entwicklung machte das jedoch wett und so wurde ich 1993 mit gerade einmal 17 kg eingeschult. Das wiegt Kilian heute fast schon, mit nicht einmal 4 Jahren. „Stark Untergewichtig“ war ein Begriff, der mich von da an lange begleitete. Motorisch machte mir das Untergewicht nie Probleme. Ich war ein sehr aktives Kind, machte später sogar Leichtathletik und beherrschte alle Sportarten. Ich war eine der wenigen Schüler, die die knapp 5km zur Schule von unserem Heimatdorf aus häufig mit dem Fahrrad zurück legte.
Auch wenn ich damals immer fit erschien, hatte ich durchaus gesundheitliche Probleme. Mein Blutdruck ist bis heute auf einem so niedrigen Niveau, dass mir regelmäßig schwindelig wird. Außerdem hatte ich extreme Wachstumsschmerzen, hauptsächlich in den Knien.

In meiner Ausbildungszeit legte ich die ersten Kilos zu. Schieben wir das einfach auf den Informatikbereich und ignorieren wir den „schlechten Einfluss“ meines damaligen Lebensgefährten. Trotzdem schaffte ich es gerade so auf Normalgewicht. Meine Leidenschaft für’s Kochen und Backen begann sich in dieser Zeit auszuprägen. Die Beziehung zum Ex ging in die Brüche und die Zeit vor und nach der Trennung ließen die Pfunde wieder stark purzeln. Nach dem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung stand ich im Elternhaus das erste Mal wieder auf einer Waage. Ich wog noch 52kg und kratzte damit laut BMI schon fast wieder am Untergewichtsbereich. Trotz dessen, dass ich eine gute Figur hatte, fühlte ich mich nicht wohl in meinem Körper. Die Beziehung mit meinem Ex-Freund hatte mein Selbstbild regelrecht vergiftet. Zusätzlich machte mir eine andauernde Arbeitslosigkeit zu schaffen. Ich war depressiv, fühlte mich nutzlos und hatte Existenzängste.206341_101965053223703_4746696_n

Mein heutiger Mann lernte mich in dieser schwierigen Phase (neu) kennen. Langsam verlief mein Leben wieder in geregelten Bahnen. Ein neuer Job fand mich und mit dem Büroalltag kehrten auch die Pfunde wieder zurück auf meine Hüften. Nach und nach wurde ich träge. Vernachlässigte jegliche sportliche Betätigung. Stattdessen fing ich wieder aktiv an, zu zocken. Das „Fläzen“ auf dem Sofa vor der XBox tat sein übriges, bis sich eines Nachts ganz unverhofft eine neue Gesellschaft in mein Leben schlich:

Schmerzen!

Ich kann  nicht mehr genau sagen, wann genau es begann. Ich datiere den ersten dauerhaft schmerzhaften Zustand auf etwa Juli 2010. Zu diesem Zeitpunkt wog ich etwa 62kg. Seither plagen sie mich tagtäglich. Es sind immer die Knie, manchmal auch die Hüfte. An schlechten Tagen spielt der Rücken auch noch mit. Die Vermutungen der Ärzte und Therapeuten waren seither vielfältig, doch die Behandlungen blieben stets erfolglos. Eines wurde mir jedoch sofort sehr zutreffend diagnostiziert: extrem schwaches Bindegewebe.

Mit diesem äußerst ungünstigen Ausgangspunkt startete ich 2013 in die Schwangerschaft. Diese verlief bis zur 14. Woche relativ unkompliziert. Die Schwangerschaftshormone weichten meine Bänder so weit auf, dass zwar die Schmerzen in den Knien verschwanden, jedoch die Symphyse so sehr schmerzte, dass mir ab der 16. SSW ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen wurde. Ohne die Möglichkeit Schmerzmittel zu nehmen, lag ich an manchen Tagen einfach nur weinend auf meinem Bett. An anderen war ich dagegen in der Lage, das Kinderzimmer zu streichen.

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Die später diagnostizierte Schwangerschaftsdiabetes veränderte die Sichtweise auf meinen Körper erneut. Zwischenzeitlich hatte ich jedes Vertrauen in ihn verloren. Ich fühlte mich nicht krank, aber mein Kind – und ich – sollten laut der Ärzte in Gefahr sein. Mein erster Besuch bei der Diabetologin war der Moment, in dem mein Selbstbild den endgültig Tiefschlag erhielt. Aus dem Mutterpass entnahm sie, dass ich am Tage der Feststellung der Schwangerschaft 68 kg wog: Übergewicht!
Ich heulte auf der gesamten Rückfahrt. Ich und übergewichtig? Ich hatte mich nie so wahrgenommen, war eigentlich zufrieden mit mir selbst. Und auf einmal sollte ich zu dick sein und auch noch Diabetes haben? Ich verstand die Welt nicht mehr. Ich verstand MICH nicht mehr. Die nächsten Monate verbrachte ich auf dem schmalen Grat zwischen strenger Diät und Essstörung. Ich geißelte mich selbst, nicht um Gewicht zu verlieren, sondern um alles dafür zu tun, dass diese teuflische Krankheit nicht in meinem oder im Leben meines Kindes bleibt.

Am letzten Tag der Schwangerschaft wurde ich kurz vor der Einleitung der Geburt mit 80 kg gewogen. Wenige Tage nach der Entbindung stand ich zuhause das erste Mal wieder auf der Waage: 74 kg. Nach etwa 8 Wochen kehrten die Schmerzen in den Knien zurück.

Bisher hatten die Schmerzen fast ausschließlich meinen Alltag beeinflusst. Als Kilian etwa ein halbes Jahr alt war, wurden diese jedoch insbesondere nachts so stark, das es nicht mehr auszuhalten war. Die Nächte übernahm ab diesem Zeitpunkt hauptsächlich mein Mann. Stand ich auf um Kilian zu versorgen, konnte ich danach vor Schmerzen nicht wieder einschlafen.
Ich wechselte den Orthopäden, besuchte Physiotherapeuten, Osteopathen, ließ mir Einlagen anpassen. Nichts half. Keine bildgebende Diagnostik war in der Lage einen Schaden in den Knien festzustellen, die angebotene Kniespiegelung lehnte ich dankend ab.
Während dieser Odyssee begann ich Kilian im Tragetuch zu tragen. Nur durch Wanderungen mit ihm im Tuch und das weitere durchziehen meiner „Diät“ schaffte ich es 8 kg abzunehmen, die ich am Ende des folgenden Winters wieder vollständig angefuttert hatte.

Der Arschtritt, den einer meiner besten Freunde mir anschließend verpasste, gab den Anstoß alles zu ändern. Er, seines Zeichens begnadeter Physiotherapeut, bemängelte ebenfalls mein Übergewicht aber auch meine miserable Körperhaltung und meine allgemeine Fitness…absolut zu Recht. Unter seiner Anleitung und mit der Unterstützung diverser Literatur habe ich ab Mitte 2015 meine Ernährung komplett umgestellt und Sport in meinen Alltag integriert. Seither nutze ich auch dauerhaft mein Fitnessarmband.

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Die ersten Monate waren hart. Mit damals 72 kg auf den Rippen war jede Trainingseinheit eine Tortur. Mich in einem Fitnessstudio anzumelden kam nicht in Frage, da die Fahrtzeit hin und zurück dank meiner abgelegenen Wohnlage mehr als eine Stunde betragen würde. Ich richtete mir daher zuhause einen Fitnessraum ein mit Crosstrainer, Sportmatte und Hantelbank. Ich kaufte mir ein Fahrrad und die ersten Laufschuhe meines Lebens.
In den folgenden zwei Jahren kämpfte ich, bis heute, regelmäßig gegen den Schweinehund, der nach oder vor dem Außendienst einfach nur die Füße hochlegen will. Aber in jeder Phase ohne Sport merke ich, wie sich die Schmerzen wieder verschlimmern. In dieser Zeit hat sich auch mein Blick auf die Ernährung verändert. Heute kann ich über die Sachen die ich früher regelmäßig gegessen habe, nur noch den Kopf schütteln. Ich habe verstanden, dass unsere Nahrung nicht nur das Hungergefühl beseitigen soll, sondern der Kraftstoff für den Körper ist.
Ich plane jede Mahlzeit im Voraus, passe das was ich esse an meine Aktivität an. Trotzdem verbiete ich mir nichts. Chips, Eis und Wein landen heute noch genauso in meinem Einkaufskorb wie früher, nur halt nicht mehr so häufig.

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Manche mögen meinen, ich sei besessen. Ich sehe es eher als Fürsorglichkeit. Ich habe nur diesen einen Körper und ich will mich in ihm wohl fühlen. Ich will aktiv sein, mit meinem Kind schritthalten können. Der Sport, der mich anfangs so viel Mühe und Überwindung gekostet hat, ist ein fester Bestandteil meines Lebens geworden. Auch wenn ich nicht immer konstant regelmäßig und intensiv trainiere, gibt mir der Blick in den Spiegel den nötigen Boost am Ball zu bleiben für das was ich noch erreichen will.

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Heute wiege ich 65,5kg. Weniger als vor der Schwangerschaft, aber immer noch mehr als der BMI sagt, dass ich wiegen dürfte. Ich habe immer noch Schmerzen, mal mehr, mal weniger. In 2 Jahren ist nun mal nicht aufzuholen, was ich davor in 10 Jahren versäumt habe. Mein Selbstwertgefühl hat sich schon deutlich verbessert. Ich fühle mich auch in enger anliegender Kleidung und Hosen wieder wohler. Nur mein Bauch bleibt die hartnäckige Problemzone nach der Schwangerschaft, die einfach nicht weichen will. Die Dehnungsstreifen bereiten mir allerdings keinen Kummer. Die Kaiserschnittnarbe verheilte problemlos und ist heute kaum noch sichtbar.
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Mein Weg zurück zu mir selbst, zu dem Ich, dass ich vor 5 Jahren noch war, ist noch lange nicht zu Ende. Aber ich gehe ihn weiter mit dem Blick nach vorn gerichtet, auch wenn es manchmal wieder einen Schritt zurück geht.

Abschließend lade ich euch alle noch ein, mir auf Instagram auf diesem Weg zu folgen. Dort findet ihr mich als thenew_solina

Außerdem möchte ich noch zwei Bücher empfehlen, die meine Sichtweise auf meinen Körper sehr beeinflusst haben:

Giulia Enders – Darm mit Charme

Wolfgang Feil – Arthrose und Gelenkschmerzen überwinden

 

 

 

 

7 Kommentare zu „Von faul zu fit: Solina’s Beitrag zur Blogparade „Mein Körper (und ich)“

  1. Sehr toller Beitrag! Es ist wichtig, unseren Körper gesund zu halten. Als ich jeden Tag ungefähr 15.000 Schritte gelaufen bin (6 Wochen lang), tat mir das auch sehr gut.

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  2. Hast Du schon einmal vom Hypermobilitätssyndrom gehört? Deine Geschichte macht mich hellhörig. Ich habe auch chronische Schmerzen und musste 43 Jahre alt werden, bis ich erfuhr, dass diese maßgeblich mit zu laxen Bändern und zu schwachem Bindegewebe zu tun haben. Denn es fehlt ein Kollagen, und das wirkt sich auf Gewebe, Bänder, Muskeln und sogar Knochen aus. Bewegung kann helfen, aber auch schaden. Wenn Du magst, kontaktiere mich gern. Alles Gute für Dich!

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    1. Hallo Maren, danke für deinen Kommentar. Das der Ursprung meiner Schmerzen das Bindegewebe ist, weiß ich ja. Der Begriff Hypermobilitätssyndrom ist dabei aber noch nicht gefallen. ich werden meine Therapeuten mal gezielt darauf ansprechen. Ich komme dann ggf nochmal auf dich zurück.

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