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Ein echtes Wochenende in Bildern

Großspurig auf meinem Instagram-Account angekündigt, stelle ich euch heute ein „echtes“ Wochenende in Bildern vor. Quasi als Gegenentwurf zu den auf Hochglanz polierten Wochenenden auf anderen Elternblogs voller Markenkleidung, gesundem Essen und pädagogisch wertvollen Spielen für und mit den Kindern.
Dieses Wochenende haben wir viel vor. Meine Nichte Enea feiert ihren vierten Geburtstag in einem Indoor-Spielplatz und wir sind herzlich eingeladen. Zwar wohnen wir nur knapp 1,5 Stunden Autofahrt von meiner Schwester entfernt, trotzdem verbinden wir den Geburtstag mit einem Übernachtungsbesuch dort. Meine Söhne haben immer viel Spaß mit ihren Cousinen und wir Erwachsene haben abends ein bisschen Zeit zum Quatschen. So viel zum Plan.
Und so sah die Realität aus:
Freitag
Eine anstrengende Arbeitswoche liegt hinter mir/uns. Ich bin müde und eigentlich total platt, hinzu kommt die unerträgliche Laune vom jüngsten Kind. Er schubt oder zahnt oder was auch immer, auf alle Fälle werde ich ständig angebrüllt und darf ihn weder absetzen noch irgendwas erledigen.

Hoch die Hände – Wochenende! Yeah!

Er ist gerade in dem zauberhaften Alter, in dem Grenzen ausgetestet werden („Wie oft kann ich wohl versuchen, meinen Finger in die Steckdose stecken?“/“Was passiert, wenn ich auch diesen Teller auf den Boden werfe?“/“Darf ich immer noch nicht auf den Tisch klettern?“/…) und jedes Nein mit Frust, Gebrüll und Rundumschlägen quittiert wird.

Damit er wenigstens mal fünf Minuten Ruhe gibt, darf er mit der Fernbedienung spielen. Das ist sowieso das beste Spielzeug.

Man beachte seinen angepissten Gesichtsausdruck und meine gerauften Haare.
Aber da ist ja noch der große Bruder, der mir genauso auf die Nerven geht…Entschuldigung, der mich „ebenfalls fordert“. Da jede Beschäftigung, egal ob Bücher ansehen, mit Duplo bauen, den Babyflitzern spielen, Malen oder Basteln vom kleineren Randalekind ge- oder zerstört werden und ich dann zwei schreiende Kinder hier habe, dürfen sie am Nachmittag Serien bei Netflix aussuchen.

Kein Medienkonsum für U3-Kinder *hüstel*
Zu allem Überfluss ist Freitagmorgen mein Auto endgültig kaputt gegangen und durfte nach einem fachmännischen Blick in der Werkstatt morgens (ein typisch norddeutsches „joah, damit kannste nich mehr fahrn.“) nur noch nach Hause bewegt werden. Die Kinder werden also mit Fernsehen ruhig gestellt, ich werfe die ersten Klamotten in den Koffer während ich nebenbei auch noch versuche, eine fahrbare  Alternative zum Auto zu organisieren, damit ich am Montag zur Arbeit und zum Kindergarten komme. 
Ich zähle die Stunden, bis zumindest der kleine Schreihals im Bett ist, damit ich dem Großen wirklich meine volle Aufmerksamkeit schenken kann. Zumindest was man bei totaler Müdigkeit freitags nach 20 Uhr noch Aufmerksamkeit nennen kann… Da es mittlerweile ziemlich spät geworden ist, puzzeln wir nur noch zusammen (ein Disneypuzzle von Aldi für 1,99 Euro) und lesen eine Geschichte aus dem Buch Von Schusselbären, fliegenden Schweinen und singenden See-Elefanten: Meine liebsten Bilderbuchgeschichten (erworben bei Thalia für 14,95 Euro). Denn für mehr reicht meine Kapazität nicht.

Der Große schläft erst um 21.25 Uhr und eigentlich wollte ich noch packen, genieße an dem restlichen Abend aber lieber meine Ruhe. Obwohl ich weiß, dass ich jedes unerledigte Teil am nächsten Morgen bereuen werde.

Samstag

Nach einer unruhigen Nacht ist die Laune immer noch schlecht, nur der Große flitzt aufgeregt hin und her und packt sein ganzes Kinderzimmer ein. Ich versuche, wenigstens in Ruhe meinen Kaffee zu trinken, auch wenn das heißt, dass der Kleine schon wieder mit Sachen spielt, die er eigentlich nicht haben sollte.

Er hat übrigens schon eine Fernbedienung, zwei PC-Mäuse und mein Smartphone zerstört.
Ihr kennt doch die netten Artikel über das Verreisen, über die Ausflüge und die Unternehmungen mit Kindern, oder? Fragt ihr euch nicht auch immer, wie die ganze Organisation im Vorfeld aussieht? Ich bin auf jeden Fall kurz vor Reiseantritt hundertmal die Treppen gerannt, habe die Koffer zwölfmal wieder eingeräumt (nachdem der Kleine sie elfmal ausgeräumt hat), hektisch die Packliste kontrolliert, die letzten Klamotten vom Wäscheständer eingesammelt, Wäsche gewaschen (damit sie übers Wochenende fertig trocknen kann) und den irrigen Versuch gestartet, die Wohnung nicht im totalen Chaos zu hinterlassen. Bevor wir fahren, bin ich schon so genervt und verschwitzt, dass ich am liebsten Zuhause bleiben würde.

#fürmehrrealitätaufelternblogs
Nach einem gefühlten Halbmarathon und gereizter Stimmung zwischen meinem Mann und mir – ich brülle von oben im Drei-Minuten-Takt: „Hast du an xy gedacht???“, er schreit von unten mit quengelndem Kleinkind auf der Hüfte: „Ich kann dich nicht höhöhöhören!!!“ – ist aber alles gepackt und wir schaffen uns, die Kinder und den halben Hausstand ins Auto. Obwohl wir bei meiner Schwester einen kinderfreundlichen Haushalt und Kinder in ähnlichem Alter vorfinden, ist das Auto voll.
Gepäck für vier für eine (!!!) Nacht.
Da unser jüngster Sohn beim Autofahren die meiste Zeit brüllt, fahren wir erst zur Mittagszeit, damit er im Auto schläft. Was er – Überraschung – natürlich erst tut, als wir nach fast 1,5 Stunden mit Theater auf dem Rücksitzen auf dem Parkplatz des Indoorspielplatz einfahren. Ich überlege kurz, ob ich nicht einfach bei ihm im Auto sitzen bleibe und auch ein kleines Nickerchen mache…
Das SumSum in Kiel
Wir freuen uns aber zu sehr auf die Familie meiner Schwester und verbringen noch ein paar schöne Stunden im Indoor-Spielplatz. Der Kleine hält auch überraschenderweise richtig gut durch und alle haben Spaß. Die Krux an Indoor-Spielplätzen sind weniger die anderen Kinder, die mit Höllentempo auf Fahrzeugen kleinere Kinder und meine Zehen überfahren, sondern zum Teil auch die mega genervten Erwachsenen, die entweder die Spielgeräte für ihre Kinder blockieren oder ihre Kinder machen lassen, was sie wollen. 
Pommes, Eis und Kuchen für die Kinder (es gab natürlich auch Obst)…
…und Kaffee en masse für mich.

Gut, ich gehöre jetzt auch zu der Fraktion, die sich eher zurücklehnt, wann immer es geht und anderen die Bespaßung meiner Kinder überlässt, allerdings achte ich schon darauf, dass sich meine nicht wie die sprichwörtliche Axt im Kinderparadies verhalten und andere verletzen. Mein Tipp: schickt eure Kinder im Rudel rein, dann können sie sich zur Not selbst wehren und kommen nicht ständig angerannt, weil irgendein fremdes Kind sie geärgert hat. Oder begleitet sie natürlich. Ich kenne auch viele Eltern, denen solche Aktivitäten super viel Spaß machen und die gerne mitrutschen und sich über die Spielgeräte zwängen. Da mein inneres Kind aber schon 40 ist, behalte ich lieber alles aus der Ferne im Auge. Außerdem verschütte ich sonst meinen Kaffee.
Abends sind alle geschafft, meine Kinder gehen für ihre Verhältnisse früh ins Bett, schlafen aber extrem unruhig. Der ausgefallene Mittagsschlaf, die vielen Eindrücke oder immer noch die Zähne, die fremde Umgebung oder was auch immer, quälen den Kleinen und lassen uns ständig wieder zu ihm reinlaufen. So beenden wir den Erwachsenenabend nach zig Unterbrechungen recht frustriert. Manche von euch kennen das vielleicht. Je aufregender Tag, umso beschissener die Nacht. Bei eh schon schlechten Schläfern überlegt man sich das dann dreimal.
Sonntag
Der Sonntagmorgen ist sehr entspannt, die älteren Kinder spielen friedlich zusammen und für mein zweites finden sich zum Glück insgesamt vier Erwachsene, die es im Blick haben.
Man findet ihn immer auf Stühlen oder Tischen.
Mittags treten wir dann mit Sack und Pack, Kind und Kegel die Heimreise an.
Dieses Mal klappt es tatsächlich und der Jüngste hält seinen Mittagsschlaf im Auto, während der Große mit Süßigkeiten ruhig gestellt wird.
Als wir nachmittags Zuhause ankommen, sind wir Erwachsenen eigentlich nur total geschafft. Die Kinder turnen und toben, wir würden es uns gerne auf der Couch gemütlich machen. Die Lösung: Mario Kart auf dem Nintendo (kein Medienkonsum blabla). Der Große fährt ein paar Runden und ich trinke Tee und packe nebenbei aus und erledige den restlichen Haushalt, während mir der Mann ein Fahrrad via ebay Kleinanzeigen kauft. Denn ganz ehrlich, ich benötige die Wochenende auch um alles zu erledigen, das unter der Woche liegen geblieben ist. Allein darum werfen mich aufwändige Aktivitäten und größere Ausflüge total aus dem Konzept und ich hetze die kommende Wochen einem noch größerem Berg hinterher.
Der Große fährt mittlerweile wie ein Profi.
Würde es nicht ständig regnen und stürmen, sind bei uns normalerweise Fahrrad- oder Parkrunden am Nachmittag angesagt. Weniger, weil wir das super wichtig finden, sondern weil uns unsere Kinder andernfalls bis spät in die Nacht die Wände hochgehen, wenn sie tagsüber nicht genug Bewegung hatten. An normalen Tagen mit viel Bewegung gehen die schon nicht vor 20/21 Uhr ins Bett, also halte ich aus Selbstschutzgründen den Fernsehkonsum wirklich einigermaßen gering. Jede halbe Stunde, die sie damit bewegungslos zubringen, kriege ich sie abends später ins Bett.
Unglücklicherweise muss ich allerdings mein neues Fahrrad nebst Kinderfahrradanhänger Probe fahren und teste einmal die Runde, die von nun an täglich zur Arbeit und von da aus zur Tagesmutter und zum Kindergarten fahren muss. Allerdings ohne Kinder, da das Wetter immer noch schlecht ist und um mir das Gebrüll hinten nicht den halben Weg geben zu müssen.
Bei Sturm und Hagel kommt Freude auf
Abends wünsche ich mir ein bisschen Ruhe und Erholung von der Fahrradtour (immerhin 15km, für mich Ungeübte ist das sehr sehr viel) und vom Wochenende an sich und lege mich in die Wanne. Auch da bleibe ich vor Zaungästen nicht verschont.
„Was hast du da im Gesicht, Mama?“, „Warum badest du, Mama?“ Der Vierjährige quatscht mich voll.
So geht ein für uns schon recht typisches Wochenende zu Ende. Wir sind oft hin- und hergerissen zwischen „quality time“ mit den Kindern, die wir aber möglichst so gestalten wollen, dass wir als Erwachsene auch viel davon haben und ein paar Inseln Zeit für uns ohne Kinder, die aber wirklich immer zu kurz kommt. Denn eigentlich sind die zwei Tage auch die einzigen, in denen Dinge organisiert oder erledigt werden können, die wir unter der Woche nirgendwo reingequetscht kriegen.
Ich hoffe, ihr habt einen kleinen Eindruck von einem ziemlich typischen Wochenende bei uns bekommen :). Wie sehen eure aus? Eher gemütlich oder voller (Outdoor-)Aktivitäten? Was bleibt immer auf der Strecke, was klappt nie so, wie es sollte? 

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